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Donnerstag, 17. April 2008

Milcheinwurf | De Re Publica

Ehrlich gesagt kann ich mich nicht an die Sendung erinnern, die mit dem Beitrag über die Milchpreise schloß, eine vage Ahnung sagt mir, es sei eine Nachrichtensendung gewesen. Um Butterpreise ging es da zunächst, um dann auf die Milchpreise umzuschwenken, die demnächst wohl wieder bei irgendeinem Tiefstand angekommen sein werden, während alle anderen Lebensmittel teurer werden.
Die Verbraucher wurden befragt und auch die Produzenten, und ebenso erwartbar wie unterschiedlich fielen auch die Meinungen zum Milchpreis aus: die Milchbauern bangen um ihre Existenz, wenn der Milchpreis noch weiter fällt und fordern 43 Cent pro Liter statt der von den Großabnehmern wie Supermärkten geforderten 27 Cent pro Liter. Die Verbraucher dagegen sahen sich ganz auf der Seite der Großabnehmer, einer der Befragten gab ganz idiotisch seine Meinung kund, daß doch wenigstens die Milch billiger werden könnte, wenn doch schon alles andere teurer werde.
Was soll man dazu sagen, fragt man sich. Am besten nichts, denn es interessiert niemanden. Wir leben im Land des Überflusses, wo Getreide zu Benzin umgenutzt wird, wo Familien in Verpackungsmüll ersticken, Jugendliche zu dick für den Wehrdienst sind und Lebensmittel zu Schleuderpreisen verramscht werden. Arme, billige Heimat.

Kein Weg zurück | Coram Bello

Eine weitere Marotte, die ich pflege, fiel mir beim heutigen Broteinkauf ein und auf: kurze Wege nicht zurückgehen können. Es gibt psychologisch und/oder sozial vermindert funktionsfähige Personen, die nicht auf die Ritzen zwischen den Pflastersteinen treten können oder nur genau auf diese. Ich kann nicht in meinen eigenen Fußstapfen einen Weg zurückgehen. Umwege muß ich mir suchen, neue Pfade, die mir die Illusion vermitteln, voranzukommen und nicht zurückzugehen. Was natürlich albern ist, da Zuhause immer noch Zuhause ist und sich nicht verändert, egal, welchen Weg ich nehme.

Anderer Gedanke, den ich der Komilitonin S. gegenüber äußerte: Vielleicht komme ich nicht vom Fleck, weil ich nicht vom Fleck komme, statt, wie ich bisher dachte, nicht vom Fleck zu kommen, weil ich nicht vom Fleck komme.
Offensichtlich kennt sie mich doch gut genug. Sie hat gleich verstanden, was ich meine.

Im Kino | Lebenlernen

Wortfeindlich bin ich geworden und not very smalltalky. Gestern im Kino traf ich einen ehemaligen Komilitonen, um genau zu sein, den einzigen anderen aus meinem Semester. Der Freund und ich standen an für Les chansons d'amour, was ein ganz entzückender Liebes- und Gesangsfilm ist, in dem es von hübschen Menschen nur so wimmelt. Vorher hatten wir Times have been better gesehen, ebenfalls ein französischer Film, diesmal ohne Gesang, dafür mit einer amüsanten Geschichte über eine Familie, deren perfektes leben schlimme Risse bekommt, als der perfekte Sohn seinen Eltern endlich seine Homosexualität gesteht.
Als mich F., der Komilitone, ansprach, warteten wir auf den Einlaß in den zweiten Film, ich war überrascht und dann doch wieder nicht, halb hatte ich damit gerechnet, ihn zu sehen, ich hatte ihn schon in der Woche davor schon bei Savage Grace gesehen. Das war der Eröffnungsfilm von Verzaubert, dem internationalen schwulen Filmfestival. Savage Grace war ordentlich verstörend und das war ich am Abschlußabend des Festivals auch, denn nach einigen nichtssagenden Worten ging F. wieder mit seinem Freund ans Ende der Schlange, während ich mir so blöd vorkam, wie sich F. wahrscheinlich während des ganzen kurzen Gesprächs.
Der Freund meinte, er hätte kurz überlegt, sich für mich zu entschuldigen, weil ich vollkommen inakzeptabel reagiert hatte. Das hat er dann gelassen und ich auch, der Film hat mich dann wieder ein bißchen aus der Schockstarre geholt, richtig geholfen hat er aber auch nicht.
Anschauen sollte man sich Les Chansons d'amour trotzdem, wenn er hier in die Kinos kommt, wobei die französische Originalversion wahrscheinlich stark unter der Übersetzung leiden dürfte.
Ich versuche derweil, wieder freundlich zu werden.