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Montag, 29. September 2008

Qual der Wahl | De Re Publica

Edmund Stoiber macht heute wahrscheinlich ein Glas Sekt nach dem anderen auf, denn an der Niederlage seiner Mörder kann er sich bestimmt umfassend delektieren, zumal er selbst nicht unschuldig ist am Vertrauensverlust der CSU in der bayrischen Bevölkerung.
Achtete man am gestrigen Abend weniger auf die ploitikertypischen immer hohlen Worte und mehr auf die Körpersprache der beteiligten CSU-Politiker, dann konnte man schon manches künftige Stühlerücken erahnen. Das Glänzen in den Augen von Horst Seehofer beispielsweise oder die nur scheinbare Selbstsicherheit der demnächst ehemaligen Generalsekretärin Christine Haderthauer, die den Verlust der CSU in neutrale Worte zu kleiden suchte.
Der ebenfalls demnächst ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein sah im ZDF-Interview mit Klaus Kleber so aus, als wollte er anfangen zu weinen. Die respektlose Bissigkeit Klebers konnte einem mit Beckstein mitleidenden Zuschauer allerdings auch das Gefühl geben, Kleber trete einem bereits am Boden Liegenden die Genitalien zu blutigem Brei.
Überhaupt machten alle Journalisten, die über die Wahlergebnisse berichten durften, den Eindruck, sie seien ein wenig high bei soviel Spektakel. Verständlich eigentlich, wenn man den ganzen Sommer über das lahme Geziehe in der Bundes-SPD berichten mußte.
Die CSU wird die nächsten Wochen zur Analyse nutzen, an deren Ende eine Koalition mit der Bayern-FDP (deren Vorsitzender Martin Zeil ja in seiner unreflektierten Ausdruckslosigkeit und an Dummheit grenzenden Kompromißlosigkeit erstaunliche Resemblencen an den Vorsitzenden der Hessen-FDP Jörg-Uwe Hahn zegte) stehen wird.

Das grundsätzliche Problem nicht nur der bayrischen Politik wird aber bleiben: die Unvereinbarkeit rein bürokratischer Wählerverwaltung mit einer bürger- und lebensnahen und damit notwendigerweise pragmatisch orientierten Gestaltung der Gesellschaft. Solange die Gräben in der deutschen Gesellschaft - Alt gegen Jung, Reich gegen Arm, Politiker gegen Bürger und viele weitere - nur mit immer neuem Personal und nicht mit innovativen Lösungen überbrückt werden sollen, wird das grundlegende Problem der deutschen (und letztlich internationalen) Politik nicht gelöst.