Falsche Scham | De Re Publica
Er, der sich nicht scheut, über einige Seiten hinweg die Entjungferung einer der drei Bräute des Königs in allen Einzelheiten zu beschreiben, auch den Schmerz von Kubaba, als das Hymen reißt, er, der sich nicht scheut, die Begattung der Schamhatu durch den wilden Löwenmann genüßlich auszumalen, als hätte ihm allein die Beschreibung schon höchste Befriedigung gebracht, er scheut sich, den Geschlechtsverkehr zwischen Gilgamesch und Enkidu auch nur ein einziges Mal deutlicher anzusprechen als sie in ihren verschwitzten und befleckten Laken ineinander verschlungen liegen zu lassen.Sei es, daß Stephan Grundy mehr Lust an ungleichgeschlechtlichem Verkehr empfindet, sei es, daß er seine Leser nicht für unvoreingenommen genug hält, sei es, daß seine Vorstellungskraft ihn hier verläßt, es irritiert. Ist doch das Gilgamesch-Epos mit die älteste Darstellung einer homosexuellen Beziehung. Wenn man sich dann als Autor schon nicht bremsen kann, Akte zu beschreiben, dann doch bitte jeden Akt gleich.
Zu: Stephan Grundy: Gilgamesch, Herr des Zweistromlandes


Wenn er keine Ahnung von der Materie hat,
Oder fühle ich mich nur unbotmäßig diskriminiert?
aber wie recherchiert man in sachen sex?
Danke.
Zur Frage: heute wäre das kein Problem in Zeiten des Internets. Man weiß ja: Internet is for porn.
Anfang der 1990er war da aber wohl noch nicht so viel vorhanden außer schwuler Literatur wie die Schwimmbadbibliothek. Alan Hollinghurst ist da mitunter recht präzise.