Ein Wolf für alle Felle | PETA und Herr Wolf

Falsche Scham | De Re Publica

Er, der sich nicht scheut, über einige Seiten hinweg die Entjungferung einer der drei Bräute des Königs in allen Einzelheiten zu beschreiben, auch den Schmerz von Kubaba, als das Hymen reißt, er, der sich nicht scheut, die Begattung der Schamhatu durch den wilden Löwenmann genüßlich auszumalen, als hätte ihm allein die Beschreibung schon höchste Befriedigung gebracht, er scheut sich, den Geschlechtsverkehr zwischen Gilgamesch und Enkidu auch nur ein einziges Mal deutlicher anzusprechen als sie in ihren verschwitzten und befleckten Laken ineinander verschlungen liegen zu lassen.
Sei es, daß Stephan Grundy mehr Lust an ungleichgeschlechtlichem Verkehr empfindet, sei es, daß er seine Leser nicht für unvoreingenommen genug hält, sei es, daß seine Vorstellungskraft ihn hier verläßt, es irritiert. Ist doch das Gilgamesch-Epos mit die älteste Darstellung einer homosexuellen Beziehung. Wenn man sich dann als Autor schon nicht bremsen kann, Akte zu beschreiben, dann doch bitte jeden Akt gleich.

Zu: Stephan Grundy: Gilgamesch, Herr des Zweistromlandes
wort-wahl (anonym) - 23. Apr, 23:30

ich glaube fast, der autor hatte einfach keinerlei erfahrung. wie will man etwas beschreiben, von dem man nichts versteht? ernüchternd aber ist der umstand der nichtnennung dennoch. sehr sogar.

Herr Wolf - 24. Apr, 13:31

Wenn er keine Ahnung von der Materie hat,

dann soll er entweder recherchieren oder sich was einfallen lassen. Oder den Heterosex nicht so verdammich aufblasen.

Oder fühle ich mich nur unbotmäßig diskriminiert?
wort-wahl (anonym) - 25. Apr, 09:28

nein, sie haben schon recht. darüber dürfen sie sich gerne aufregen. und auch ein bisschen die randgruppe heraushängen lassen.

aber wie recherchiert man in sachen sex?
Herr Wolf - 26. Apr, 18:03

Danke.

Ich bin auch schon wieder dechauffiert.

Zur Frage: heute wäre das kein Problem in Zeiten des Internets. Man weiß ja: Internet is for porn.
Anfang der 1990er war da aber wohl noch nicht so viel vorhanden außer schwuler Literatur wie die Schwimmbadbibliothek. Alan Hollinghurst ist da mitunter recht präzise.
Smarf (anonym) - 26. Apr, 17:15

Man kann es drehen und wenden, wie man will.

Möchtest Du durch die ergänzende und erschöpfende Darstellung eigentlich einen Porno-Roman lesen?

Ich variiere hier mal Umberto Eco, der - sinngemäß sagte und überspitzte - wenn man in einem Film den Eindruck hat, dass die Protagonisten länger brauchen, um von A nach B zu gehen, als man es sehen möchte, handelt es sich um einen Pornofilm. Also: Reicht die Hymenperforierung nicht?

Herr Wolf - 26. Apr, 18:01

Ich brauche da

gar keinen Sex. Ich will überhaupt nichts von Hymen wissen, egal, wem sie perforiert werden.
Wenn ich einen Pornoroman lesen will, dann lese ich die Schwimmbadbibliothek. Oder einen Roman über Swingerclubs.

Mich echauffiert bei Gilgamesch dieses Ungleichgewicht. Ich empfehle in literarischen Dingen eher weniger.
Smarf (anonym) - 27. Apr, 00:31

weniger was jetzt?

Weniger Ungleichgewicht, also mehr Gleichgewicht? Oder weniger schwulen Sex, dann aber literarisch ausgefeilt? Du drückst Dich so unklar aus!
Herr Wolf - 3. Mai, 12:14

Weniger

Ungleichgewicht. Das ist überall gut. Schwuler Sex, Sex überhaupt muß meinetwegen nicht beschrieben werden. Ich kann sehr gut auf literarisch verarbeiteten Sex verzichten.
Auch und erst recht auf Entjungferungsszenen.
Scheibster (anonym) (anonym) - 27. Apr, 15:28

Prinzipiell

Nun, es scheint hier ja ums Prinzip und um Konsequenz zu gehen. Wenn er das eine so ausführlich beschreibt, gebe ich Herrn Wolf Recht, dass er das andere genauso exakt beschreiben könnte, wenn der Autor konsequent sein wollte.

Vielleicht erwartet Herr Grund schlicht eine überwiegend heterosexuelle Leserschaft mit Intoleranz bezüglich Darstellungen von gleichgeschlechtlichem Sex?

Zudem kann künstlerische Freiheit auch enttäuschend sein. Eine ausführliche Beschreibung kann eben keine Garantie für die nächste sein. Oder doch?

Im übrigen habe ich nichts gegen gleichgeschlechtlichen Verkehr bei anderen Leuten. Vor allem dann nicht, wenn er zwischen zwei oder mehr hübschen jungen Damen stattfindet.

Schönes Wochenende und so!

P.S.: Wundervolles Codewort: "balls"

Herr Wolf - 3. Mai, 12:18

Hier wiederum

gebe ich Ihnen recht, Herr Scheibster. Es geht mir um Konsequenz. Sicherlich könnte man sich auch einfach auf die künstlerische Freiheit des Autors berufen, nur das zu beschreiben, was er auch beschreiben will. Immerhin hat der Autor ja immer recht.

Andererseits ist es ein nahezu historischer Roman oder zumindest einer, der auf historischer Überlieferung fußt. Ebenso wie Andere einen Roman über Friedrich den Großen ablehnen würden, wenn er dauernd über willige Mägde herfällt, lehne ich eben den Roman von Grundy ab.

Naja. Gelesen ist gelesen.
-----

Trackback URL:
http://neolog.twoday.net/stories/4753130/modTrackback

Erste Worte

Als Neolog berichtet Herr Wolf live von der Front, geizt aber auch nicht mit tiefen Einblicken in eigenes und fremdes Seelenleben. Kryptik und mitunter eigenwilliger Sprachumgang haben Herrn Wolf in den letzten sechs Jahren nicht dauerhaft unterkriegen können. Herr Wolf beweist auch 2008 wieder seine Steherqualitäten und zeigt der Welt seine Zähne.
Kritik, Aufmunterung, Fragen oder auch allgemeine Post bitte an herrwolf web de
Hier die ausführliche Bedienungsanleitung.

Letzte Worte

Manchmal,
Herr Wolf, manchmal hilft es einfach, wenn man eine...
pathologe - 23. Jul, 07:24

Mahnende Worte

Wer Verweisen zu anderen Seiten folgt, ist selbst schuld. Die Rechte am Inhalt von 'neolog' hält der Autor, wenn nicht anders gekennzeichnet. Bitte benutzen Sie das Gehirn im Internet.



Coram Bello
De Re Publica
Ex Oikos
Gedichte
Kein Märchen
Lebenlernen
Morpheon
Störsatz
Treibgut
Von der Front
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren