Reminiszenz | Kein Märchen
Er hat sie damals zum Weinen gebracht durch seine Bevormundung. An einem Tag, der nur ihr gehören sollte. Und jetzt ist er einfach nur tot. Tot und verschwunden.Erkaltete Herzen. Stumme Wände, übertünchte, überstrichene Wahrheiten und Lügen. "Wir haben damals Zeitung von 1930 von den Wänden geholt."
Wie kann einer dieser Menschen auch nur halbwegs glücklich sein, wenn sie doch alle alt und krank werden. Im Vergessen liegt eine Macht, die man nie unterschätzen darf. Und immer wieder frage ich mich, wie ich so viel vergessen konnte, was Andere aus meiner Umgebung noch wissen, als wäre es gestern passiert. Was nimmt in meinem Leben den Platz ihrer Erinnerungen ein? Habe ich nur die Bilder, die Situationen ohne Ton, ohne Worte? Fange ich nur Stimmungen, unfähig, mich in ihnen auszudrücken?
Was ich schreibe, ist meine Erinnerung, was ich festhalte, kann ich guten Gewissens vergessen. Ich kenne keine meiner Wahrheiten so gut wie meine Lügen, doch die besten meiner Lügen verstehe ich nicht; wie Axiome meines Lebens. Summen im Parkett, keine Ruhe auf den billigen Plätzen, einzig die Stimmen der Menschen um mich gerum. Gespräche über das Leben, und ich allein in dieser wuselnden Menge, schweigend und auch ein wenig erinnernd. Vor allem daran erinnere ich mich: er hat sie damals zum Weinen gebracht.


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