Ein Wolf für alle Felle | PETA und Herr Wolf

Leben im Schatten | Kein Märchen

Diese Geschichte fiel mir wieder ein. Die Worte, die beschrieben, wie sehr er ihr wehgetan hat, wie oft sie unter ihm gelitten hat, wie groß ihr innerer Schmerz manchmal war. Diese Geschichte fiel mir wieder ein. Die Sätze, die ihre Verlorenheit erreichen wollten, ihre innere Starre beschreiben sollten, die versuchten, meinen eigenen Schmerz angesichts des ihren zu fassen und zu verstehen. Diese Geschichte und die andere, die nicht von der Gnade des Vergessens für die, die in ihrem eigenen Schatten dahindämmern, erzählte, sondern von der Erinnerung und dem Wind, der die Zeit wie vertrocknete Blätter durch die Geschichte weht. Geschichte, die ich nur aus Erzählungen meiner Großeltern kenne.
Ich vermisse, was nicht fort ist, mir fehlt, was nicht verloren ist. Meine Großmutter geht und ich weiß, daß sie schon lange fort ist. Nur noch ein Schatten ihrer selbst sitzt im Stuhl und sieht mich verständnislos an, vielleicht ebenso irritiert, wie ich sie ansehe, wenn ich versuche, die großzügige und liebenswerte Frau in ihr zu entdecken, die in der Vergangenheit meine Großmutter war.
Als ihr Mann vor nun acht Jahren starb, hat sie gesagt, sie sei die nächste, sie sterbe als nächstes. Und seither sind andere gestorben, meine andere Großmutter, meine Großtante, mein Patenonkel, ein Neffe meiner Großmutter, ein Cousin meines Vaters. So viele tot und sie die einzige, die sterben wollte.
Letzte Woche haben wir überlegt, ob wir zulassen sollen, daß sie verhungert oder daß ihr eine Magensonde gelegt wird, damit sie in ihrer inneren Isolation mit Nahrung versorgt werden kann. Letzte Woche haben wir noch überlegt, ob es gut für sie ist, ob sie sich wünschen würde, so weiterzuleben, ob das überhaupt Leben sei.
Vorgestern dann ist sie ins Krankenhaus gekommen, Verdacht auf verschiedene Tumoren, mal einer der Lunge, mal einer des Magens. Nach einer Magenspiegelung und mehren Ultraschalluntersuchungen ist klar, daß es beides nicht ist. Sie hat vielleicht einen Tumor, vielleicht einen Gallenstau. Im Krankenhaus weiß man nicht weiter, wir können nur mutmaßen. Sie sehe nicht krank aus, sagt meine Mutter, sie sei in sich verloren wie eh und je seit fünf Jahren, spreche nichts, esse und trinke wenig und wolle, so schien es, am liebsten in Ruhe gelassen werden.
Immer noch wissen wir nicht, was zu tun sei. Wir wollen sie gehen lassen, doch ich befürchte, sie ist so sehr abgeschirmt von der Welt, daß sie den Weg nicht findet.
Ich befürchte, sie muß weiterleben, leben im Schatten ihrer Erinnerung, leben als ihr eigener Schatten.

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Erste Worte

Als Neolog berichtet Herr Wolf live von der Front, geizt aber auch nicht mit tiefen Einblicken in eigenes und fremdes Seelenleben. Kryptik und mitunter eigenwilliger Sprachumgang haben Herrn Wolf in den letzten sechs Jahren nicht dauerhaft unterkriegen können. Herr Wolf beweist auch 2008 wieder seine Steherqualitäten und zeigt der Welt seine Zähne.
Kritik, Aufmunterung, Fragen oder auch allgemeine Post bitte an herrwolf web de
Hier die ausführliche Bedienungsanleitung.

Letzte Worte

Manchmal,
Herr Wolf, manchmal hilft es einfach, wenn man eine...
pathologe - 23. Jul, 07:24

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