Ein Wolf für alle Felle | PETA und Herr Wolf

Grndprxdrvsndlchnsn | De Re Publica

Irgendwas wird sich ändern müssen, meint Peter Urban, wenn er sich das Ergebnis des Eurovision Soncontests anschaut. Der Meinung bin ich aber auch mal. Es kann ja nicht sein, daß einem am Ende eines bunten und abwechslungsreichen Abends, der einem mal wieder gezeigt hat, daß sich Europa auch nicht beim Soncontest in Normen und Schemata pressen läßt, nur die Sofakante zum Reinbeißen bleibt, weil man wieder nicht zwölf Punkte aus den Niederlanden bekommen hat. Und auch überhaupt nur auf dem 19. Platz gelandet ist. Daß man nicht gewonnen hat.
Schlimmer noch: daß man schon wieder verloren hat.
Die Volksseele kocht, alles muß sich ändern. Wer zahlt, soll auch gewinnen. Wenn man erst verliert und dann zahlt, das ist in Ordnung, das kennt man vom Krieg, aber diese Undankbarkeit, daß man abgestraft wird, obwohl man doch einer der wichtigsten Finanzierer des Zirkus ist, diese Undankbarkeit ist bitter.
Es wäre doch nur recht und billig gewesen, daß sich hunderte Millionen Menschen frei dafür entscheiden, Deutschland den Grand Prix gewinnen zu lassen. "Guess who rules the world", der letzte, auf englisch gesungene Vers des deutschen Beitrags, hätte Entscheidungshilfe genug sein sollen: Natürlich sind wir es, die die Welt regieren. Also sollten wir auch gewinnen.

Und wer gewinnt statt dessen? Eine pummelige Lesbe, die mit Herzblut und Verve singt, eine Stimme hat und - haha, keiner, der das nicht anmerkt - einen Titel von Milosevic singt (nein, nicht vom Kriegsverbrecher). Das Lied heißt Gebet, wäre mein Serbisch besser, ich hätte bestimmt verstanden, daß es ein Gebet für Frieden und Verständnis, für gegenseitige Liebe und Anerkennung ist, eine Bitte um Ruhe in den Unruhen, die das ehemalige Yugoslawien immer noch durchziehen. Eine Bitte um Heilung der alten Wunden.
Und zweiter? Eine Glamournummer, eine Diskokugel mit Stern, die zeigt: auch das ist Osteuropa, grell und lustig, aufsteigend und offen für die Welt, wenn die Welt es will. Über den Text läßt sich hier streiten, eine Botschaft ist nicht drin außer vielleicht: Wir wollen nicht verlieren, was wir jetzt leben dürfen. Wir wollen tanzen und müssen es auch, denn wenn der vergiftete Präsident wieder abgewählt sein wird, deckt sich wieder das russische Mäntelchen über die Ukraine. Schaut Europa fort, dann wird dieses Licht, das Hoffnung für Osteuropa ist, wieder erlöschen. Vielleicht ist es grell. Vielleicht wird es so aber wenigstens gesehen.
Sorge bereitet mir der russische dritte Platz. Nicht, weil ich befürchten würde, Rußland würde nach Erdöl und Erdgas nun auch die Eurovision an sich reißen, sondern aufgrund der kalten Berechnung und substanzlosen Fabrikation, mit der dieser Titel gebastelt wurde. Ich fürchte das Diktat, das hinter dem Titel steckt: Denn es fordert Unterwerfung. Daß dieser Titel, der kein Herz zeigt, sondern nur die Zeile "My bad ass spinning for you", so viele Punkte bekommen hat, ist ein bißchen besorgniserregend, daß er nicht gewonnen hat, beruhigend.
Daß weder Irland noch Großritannien viele Punkte holen konnten, war nicht weiter überraschend, irischer Autismus und englische Lustlosigkeit konnten niemanden so recht überzeugen. Das schlechte Abschneiden Frankreichs, Schwedens, Litauens und Ungarns ist schade, andererseits kann in einem Geschmackscontest nicht gewinnen, was nicht massentauglich ist.
Und darum geht es ja letztlich: Nicht um den perfekten Popsong, nicht um lokale Bezogenheit, regionales Punktegeschacher. Es geht um Gefallen, um Beliebtheit. Vor allem aber geht es darum, den Europäern ein Stück Europa nahe zu bringen. Bisher hätte ich nichts von Schweden mitbekommen, von Lettland oder Ungarn, wenn nicht durch die - sicherlich verzerrten - Bilder des Grand Prix. Daß diese Bilder auch nächstes Jahr nicht aus Deutschland kommen, ist da nicht so schlimm.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Erste Worte

Als Neolog berichtet Herr Wolf live von der Front, geizt aber auch nicht mit tiefen Einblicken in eigenes und fremdes Seelenleben. Kryptik und mitunter eigenwilliger Sprachumgang haben Herrn Wolf in den letzten sechs Jahren nicht dauerhaft unterkriegen können. Herr Wolf beweist auch 2008 wieder seine Steherqualitäten und zeigt der Welt seine Zähne.
Kritik, Aufmunterung, Fragen oder auch allgemeine Post bitte an herrwolf web de
Hier die ausführliche Bedienungsanleitung.

Letzte Worte

Manchmal
stützt man sich und manchmal hält man einander...
Herr Wolf - 7. Aug, 17:35

Mahnende Worte

Wer Verweisen zu anderen Seiten folgt, ist selbst schuld. Die Rechte am Inhalt von 'neolog' hält der Autor, wenn nicht anders gekennzeichnet. Bitte benutzen Sie das Gehirn im Internet.



Coram Bello
De Re Publica
Ex Oikos
Gedichte
Kein Märchen
Lebenlernen
Morpheon
Störsatz
Treibgut
Von der Front
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren