Ein Wolf für alle Felle | PETA und Herr Wolf

Auslese | Uni-Edition | Kein Märchen

Erfreut schien der Professor nicht zu sein, unsere letzte Begegnung war ja noch nicht so lange her. Irgendwann seither hatte er mir schreiben wollen. Hat er vergessen, ich tat so, als hätte ich das auch, wir sprachen über verschiedene Dinge, und letztlich auch über das eine Thema: Vorkommen und Charakterisierung von antioxidativ wirksamen Nahrungsbestandteilen. Arbeitstitel. Das wird es nun wohl werden.
Ob ich denn noch Veranstaltungen habe. Ob ich mir bewußt sei, daß alles seine Zeit brauche. Ob ich wüßte, daß andere aus meinem Semester schon fertig seien. Er holte eine Liste. Eine böse Liste. Frau M. sei fertig, Frau K. sei fertig, Frau H. auch. (die H. auch, die dumme, infantile und vor allem inkompetente Kuh, die allen, die einen hatten, auf den Sack ging?) Ach nein, die doch nicht.
Und dann fragte er nach der Kommilitonin S., die damals während eines Seminars ausgefallen ist. Wie hieß sie noch gleich? sagte er, dachte ich mir. Was er nicht wußte: Kommilitonin S., ihr Name fiel mir erst heute wieder ein, hatte einen Gehirntumor, mehrere Operationen und Chemotherapien, ein Jahr Aufwind und dann zwei Todesfälle, ihren eigenen und den ihres Vaters. Nur Kommilitonin H. war bei der Beerdigung, sie hat es uns anderen erst später gesagt, Monate später.
Die letzte Begegnung mit S. war schön. Erinnere ich mich heute. Wir waren im Rheingau, bei einer Weinvorlesung, inklusive ausgiebiger Weinprobe. Zu viert sind wir im Zug hingefahren und wieder zurück, mit den halbvollen Weinflaschen bewaffnet. Am Ende der Fahrt waren die Weinflaschen leer und wir voll. Wir haben so sehr gelacht, es war Sommer, warm, schön. Zwei Wochen später, mitten im Lernstreß für das Vordiplom, erfuhren wir von ihrem Ausfall, dann von ihrem Tumor. Eineinhalb Jahre später war sie tot.
Wie hieß sie? fragt der Professor. Und ich weiß erst nicht, wen er meint, und als ich es weiß, ist es mir peinlich, sagen zu müssen, daß ich es vergessen habe.
In der Einführungswoche des ersten Semesters sagte unsere Betreuerin: Schaut euch an, wer neben euch sitzt und versucht es euch zu merken, denn jeder zweite schafft es nicht bis zum Vordiplom.
Neben mir saß die Kommilitonin S.

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Erste Worte

Als Neolog berichtet Herr Wolf live von der Front, geizt aber auch nicht mit tiefen Einblicken in eigenes und fremdes Seelenleben. Kryptik und mitunter eigenwilliger Sprachumgang haben Herrn Wolf in den letzten sechs Jahren nicht dauerhaft unterkriegen können. Herr Wolf beweist auch 2008 wieder seine Steherqualitäten und zeigt der Welt seine Zähne.
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Letzte Worte

Manchmal
stützt man sich und manchmal hält man einander...
Herr Wolf - 7. Aug, 17:35

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