Im Kino | Lebenlernen
Wortfeindlich bin ich geworden und not very smalltalky. Gestern im Kino traf ich einen ehemaligen Komilitonen, um genau zu sein, den einzigen anderen aus meinem Semester. Der Freund und ich standen an für Les chansons d'amour, was ein ganz entzückender Liebes- und Gesangsfilm ist, in dem es von hübschen Menschen nur so wimmelt. Vorher hatten wir Times have been better gesehen, ebenfalls ein französischer Film, diesmal ohne Gesang, dafür mit einer amüsanten Geschichte über eine Familie, deren perfektes leben schlimme Risse bekommt, als der perfekte Sohn seinen Eltern endlich seine Homosexualität gesteht.Als mich F., der Komilitone, ansprach, warteten wir auf den Einlaß in den zweiten Film, ich war überrascht und dann doch wieder nicht, halb hatte ich damit gerechnet, ihn zu sehen, ich hatte ihn schon in der Woche davor schon bei Savage Grace gesehen. Das war der Eröffnungsfilm von Verzaubert, dem internationalen schwulen Filmfestival. Savage Grace war ordentlich verstörend und das war ich am Abschlußabend des Festivals auch, denn nach einigen nichtssagenden Worten ging F. wieder mit seinem Freund ans Ende der Schlange, während ich mir so blöd vorkam, wie sich F. wahrscheinlich während des ganzen kurzen Gesprächs.
Der Freund meinte, er hätte kurz überlegt, sich für mich zu entschuldigen, weil ich vollkommen inakzeptabel reagiert hatte. Das hat er dann gelassen und ich auch, der Film hat mich dann wieder ein bißchen aus der Schockstarre geholt, richtig geholfen hat er aber auch nicht.
Anschauen sollte man sich Les Chansons d'amour trotzdem, wenn er hier in die Kinos kommt, wobei die französische Originalversion wahrscheinlich stark unter der Übersetzung leiden dürfte.
Ich versuche derweil, wieder freundlich zu werden.

