Ach Du dickes Kind | Ex Oikos

Laut Zeit-Gesundheitsweblog Diagnose Mensch hat sich die amerikanische Wissenschaftsgemeinde keinen Gefallen getan, als sie den BMI zur Beurteilung von fettleibigen Kindern herangezogen hat, um zu beurteilen, ob und inwieweit die amerikanische Jugend immer fetter wird.

fant
(Kein fettes Kind: Elefant.)

Das Zeit-Weblog verweist auf diese Studie, die im Journal of the American Medical Association erscheinen ist und deutlich macht, daß die Panik vor einer zunehmenden Zahl fettsüchtiger Kinder in Amerika (und vielleicht auch anderswo) möglicherweise unbegründet, weil auf nicht validen Daten basierend ist beziehungsweise eben auf einer auf nicht validen Daten begründeten Definition des BMI.
Und daß der BMI böse (und zu relativieren) ist, wußten wir ja ohnehin seit langem.

Entwarnung kann dennoch nicht gegeben werden. Sage ich. Noch immer verbringen zu viele Kinder und Jugendliche zu viel Zeit vor dem Fernseher und dem Computer und töten damit nicht nur eventuelle pixelige Gegner, sondern auch ihre Phanasie und Kreativität. Dieses gesitige Fett, das sich dadurch ansetzt, ist vielleicht sogar noch gefährlicher als das körperliche Fett, das durch Bewegungsmangel entsteht und Kinder in Reifen verwandelt.
pathologe - 29. Mai, 16:53

Es

ist doch aber so schoen einfach. Wie fast-food kann man vor dem PC haeppchenweise Wiki oder Gugel in sich reinsaugen und muss nicht mal denken. Ich sehe es ja an meinen Suchanfragen. Anstatt auf offiziellen Seiten zu schauen, schneien die Leute bei mir rein mit Fragen wie "Wieviel Arbeitslosengeld kriege ich?" Und da liegt das Problem, die Eigenmotivation zum Eigendenken fehlt einfach.

Da werden die Kinder wirklich zu Reifen ohne zu reifen.

Herr Wolf - 29. Mai, 17:00

Leider ist einfach

einfach nicht gut. Und wie Fast-Food nur fast sättigt, bewirkt auch Internetinformation nur eine geringe Halbwertbildung.

Leider ist das Leben ein bißchen komplexer und komplizierter. Oder eigentlich: nicht leider, denn Komplexität macht eigentlich Spaß, weil man dann doch noch zu denken gezwungen ist. Leider kann man das nicht erkennen, wenn man mit seinen Pixelfreunden Pixelschätzen hinterherrennt.
Lilli legt los - 30. Mai, 15:48

Ja-Sager und Alles-Erlauber,

das sind viele Eltern, weil sie Konflikte mit dem eigenen Kind zu anstrengend finden und nicht einsehen wollen, dass zu viel Zeit vor dem Bildschirm zu wenig Zeit für "richtiges" Spielen bedeutet. Sie reden sich ein, dass das Kind ja doch auch was dabei lernt, und ausserdem ist es so schön beruhigend, das Kind im Haus sitzen zu wissen - wer weiss, was ihm draussen in der Welt alles zustossen könnte! So sind alle Beteiligten erst einmal zufrieden: die Kinder, da sie sich seichte Unterhaltung reinziehen können, und die Eltern, die sich vorlügen, dass ihr Kind dabei gut aufgehoben ist. Hat man aber mal die Stirn, diese Kinder zu bitten, von ihrem Lieblingsspiel zu erzählen, bringen sie nicht mal zwei zusammenhängende (oder gar vollständige) Sätze raus, denn das fördert die Beschäftigung vor dem Bildschirm leider gar nicht...

Gezeichnet: eine seufzende Mutter zweier Jungs, die womöglich auf dem besten Weg sind, in der Schule zum Aussenseiter zu avancieren

Herr Wolf - 30. Mai, 16:13

Man kann prima

gesellschaftliche Gründe und Konventionen vorschieben, um die emotionale Vernachlässigung von Kindern zu rechtfertigen: in Zeiten wie unseren, wenn beide Elternteile arbeiten gehen müssen, um den Lebensunterhalt für ein, zwei oder deutlich unwahrscheinlicher mehr Kinder aufzubringen, kann man nicht auch noch von den hart arbeitenden Eltern erwarten, daß sie sich aufopfernd um ihre Kinder kümmern.

Langfristig gesehen ist das aber eine ebenso leichte wie falsche Strategie. Vernachlässigung bedeutet nicht immer nur hungernde und dreckige Kinder, die in dunklen Zimmern oder Kellerlöchern leise vor sich hin vergetieren und sterben. Vernachlässigung bedeutet auch emotionale und soziale Verstümmelung. Kinder, die Nestwärme, so blöd das vielleicht auch klingt, nicht kennengelernt haben, werden zu verkrüppelten Erwachsenen, die konflikt- liebes- und lebensunfähig sind.

Gesellschaftlich gesehen ist hier kein Vorteil zu erringen durch die Abschiebung von Kindern vor Fernseher und Computer. Allerdings rekrutiert sich unsere Gesellschaft demnächst aus Abgängern dieser Lebensschule. Sie werden den Unterschied nicht erkennen.


Es gibt meiner Ansicht nach Schlimmeres als Außenseitertum in der Schule, wenn Außenseitertum auch bedeutet, daß man Dinge weiß und kann, die die Anderen nicht können. Wenn man zu Emotionen fähig ist und diese auch artikulieren kann. Wenn man nicht stumm der Herde hinterherläuft, sondern seinen eigenen Weg sucht. Weil den nicht viele gehen, ist er steinig und manchmal schmal und abschüssig. Langfristig wird man aber oft durch die bessere Aussicht belohnt.

Gezeichnet: ein Außenseiter, der immer noch keine ausgetretenen Pfade mag.
Mo (anonym) - 30. Mai, 20:02

aber

es sind doch, trotz der reifenförmigen Optik, immernoch Kinder und keine Reifen. Wenn jemand nach etwas ausschaut, muss er doch nicht gleich dieses etwas "sein".

Herr Wolf - 4. Jun, 17:37

Don't judge a book by its cover.

Wahr ist das durchaus, und ich will mich nicht über reifenförmige Kinder amüsieren.
Die Aussage, die über dicke Kinder getroffen wurde, war meiner Erinnerung nach vor allem die, daß sie dick sind. Niemand hat ihnen Phantasie, Träume, Wut oder Trauer abgesprochen. Sie bleiben Kinder.

Und deswegen muß für sie gesorgt werden, das war das, was ich gesagt habe. Man darf sie nicht vernachlässigen, weil es ein für die Gesellschaft großer Verlust wird, wenn wir uns nicht um die kümmern, die unsere Erben sind.

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Letzte Worte

...na dann mal weiter...
Viel Erfolg beim Lernen auszusprechen, was dich bewegt....
utele - 20. Aug, 16:44
Solche Menschen
als Negativ-Vorbilder zu haben, ist nicht unbedingt...
Herr Wolf - 20. Aug, 12:16
Doch, ich glaube es.
Kann ich ja auch. Und Ihreer Intuition können...
Herr Wolf - 20. Aug, 12:09

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