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Liebe Gemeinde | Coram Bello

Keine Angst. Das wird jetzt kein Rundbrief, der zu Spenden für Nigeria, Georgien oder eine andere ferne Region in der Welt aufruft. Es sollen auch nicht Tim und Tina Buktu (welch alter und immer noch nicht lustiger Scherz, aber man erinnert sich doch immer wieder mit einer Wehmut an diese einfacheren, aber fernen Tage zurück) mit Fürsorge bedacht werden.
Es ist einfach eine Ankündigung zur Absenz. Mal wieder, ja, aber kein Abschied in absolutatem (wie der Lateiner sagt, wie der möchtegerngebildete Nichtlateiner sagt, wie der uninteressante Humorbefreite sagt, wie der neudeutsch brillierend wollende Sprachenthusiast sagt), sondern nur einer auf Zeit. Computerferne erquickt manchmal das Herz und auch die Stirnhöhlen, vor allem aber bedeutet es mal die Aussicht auf eine andere Aussicht.

Aus der Ferne werde ich natürlich gerne Ihrer aller gedenken, die Sie nun sehnsuchtsvoll auf den Monitor starrend ohne mich in den September starten müssen, aber ich bin mir sicher, daß Sie auch ohne mich Sinn in Ihrem täglichen Tun entdecken werden.

Meine besonderen Grüße gehen heute an meinen bekennenden Nichtleser und ehemaligen Mitbewohner C. - ein Paar meiner Leserinnen (nein, ich habe mich nicht in der Vertikalographie geirrt, es sind in der Tat zwei) kennen ihn aufgrund persönlicher Mitbewohnerlebnisse -, den ich bei der gestrigen Gartenfeier der mir hochverehrten Frau Licht wiedergesehen, aber nicht -gesprochen habe. In den Äther schreibe ich nun also folgendes, was ich aus verschiedenen Gründen nicht persönlich sagen konnte: Es tut mir leid, daß Umstände uns entzweiten, die durch das beseitigt werden hätten können, was ich heute immer wieder bei allen Menschen anmahne: Kommunikation.
Als Du sprechen wolltest, wollte ich nicht. Nun, da ich es immer wieder will, kann ich nicht mehr, weil Du nicht mehr willst. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man uns nicht vorher an Stühlen fixieren müßte, damit wir tatsächlich miteinander ein Gespräch begännen.
Daß ich Dich verletzt habe, tut mir leid. Daß ich Dich unter einer meiner einstürzenden Mauern begraben habe, tut mir leid. Daß ich Deine Freundschaft verloren habe, tut mir leid.
Ich habe im Umgang mit Dir und der Situation, die unsere Freundschaft und in der Folge auch unsere Wohngemeinschaft zerstört hat, Fehler gemacht, die aus der Distanz von fünf Jahren nicht mehr gutgemacht werden können, so kommt es mir vor. Darum habe ich auch nicht gestern sprechen können, habe Dich kaum direkt ansehen können. Ich habe Dir gegenüber die Sprache in dem Moment verloren, als Du mich im Zorn mit Wasser überschüttet hast.

Die Vergangenheit macht uns zu dem, was wir sind, wenn man Theorien glaubt, und die Schützengräben der Gegenwart sind Folgen der Spuren des Gestern.
Vielleicht finden wir in der Zukunft den Frieden.

Liebe Gemeinde, ich wünsche einen schönen Septemberbeginn, denkt an Eure Lieben und die fernen und lange nicht mehr gesprochenen Freunde. Die Menschen, die wir lieben und liebten, machen uns aus und sind uns ein Schatz, der uns erleuchtet. Auch wenn nicht alles schön ist in der Welt und die Menschen imperfekt und oft böse zueinander, laßt nicht zu, daß Nichtsprechen zur Entfernung von Allem führt.
Bis bald an diesem Ort, ich denke an anderen Orten an Euch.
Und nein, ich habe nicht vor, zu sterben oder ein Höheres Wesen zu werden, mir ist nur gerade aufgrund der LastFM-Empfehlungen ein wenig melancholisch zumute.

Selbstgerechtigkeit ist trotzdem kein guter Zug und es tut mir wirklich leid, daß ich durch diese meine Eigenschaft Menschen unnötig verletzt habe.

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