In statu quo ante | Morpheon
Jeden Morgen schälst Du Dich mehr aus Deiner Haut. Die Zeit in der Stratosphäre hat Dich gezeichnet, wie Sonnenbrand fällst Du nun Schicht für Schicht von Dir ab, nichts bleibt zurück als rotes, blankes Fleisch. Alles ist schmerzhaft, was nicht Bewußtlosigkeit ist, Gehen und Stehen, Liegen und Sitzen, alles der selbe verzehrende Schmerz des Nicht-Nichtsein-Dürfens.
Am Fenster stehst Du und schaust auf die Straße, wie Du das offensichtlich die letzten Jahre schon gemacht hast, Du kennst das Bild und Du kennst die Menschen, die unten vorbeilaufen, Du kennst die Bäume, die die Straße säumen, und die Blätter, die von den Ästen den Menschen vor die Füße fallen. Du kennst die Hunde und Katzen, die Fahrräder, die Einkaufswägen, das Alles und Nichts scheinbarer Geschäftigkeit. Die Menschen draußen sind hohl, sind nur Hülle, wie Du nur Hülle warst, als Du noch in der Stratosphäre schliefst. Nun aber bist Du frei von kleingeistigem Leben, frei von scheinbaren Zufällen, frei von allem, zurückgeworfen auf Dich selbst.
Und Du merkst erst jetzt, wie einsam es in Dir ist. Wie still und wie gleichzeitig laut, denn alle Deine Stimmen schreien durcheinander, brüllen vor Schmerz und Langeweile, rufen nach Hilfe und dem Fernsehprogramm, sehnen sich nach Abwechslung und suhlen sich in der ewig gleichen Routine des Nichtstuns. Du merkst, wie unruhig es in Dir ist und wie sehr windstilles Meer.
Du fällst nicht mehr, Dein Sturz hat geendet, die Erde kommt nicht mehr näher, doch Du weißt nicht, ob der Aufprall schon kam, der Dich letztlich das Leben kosten wird. Du bist blind geworden in der Zeit außerhalb des Lebens, blind und taub und stumm. Reglos wie ein gestürzter Stein.
Flechten überziehen Deinen Körper wie einstmals Haut, kleine Käfer klettern über Deine Beine, Ameisen bevölkern Deine Arme, Deine Brust ein Wespennest, kleine Vögel nisten in Deinen Augenhöhlen, ein Specht in Deinem Schädel. Ein Ort ist aus Dir geworden, ein Ort des Widerspruchs und der Fülle, die sich selbst erschöpft, eine Oase und eine Wüste, Tiefsee und Urwald, Weltall und Getreidefeld. Das Leben sprießt und endet in Dir, alle Wurzeln wuchernd, alle Äste nach den Sternen greifend. Der Wind singt in Deinen Blättern, Eichhörnchen spielen Verstecken in Deinen Armen, Holz füllt Deine Lungen, Dein Herz eine Frucht von leuchtendem Rot.
In den letzten Tagen sommerlichen Herbstes werde ich ernten gehen, Dein Herz aufschneiden, das Fruchtfleisch essen, den Kern aber eingraben und auf die neue Blüte warten.
Am Fenster stehst Du und schaust auf die Straße, wie Du das offensichtlich die letzten Jahre schon gemacht hast, Du kennst das Bild und Du kennst die Menschen, die unten vorbeilaufen, Du kennst die Bäume, die die Straße säumen, und die Blätter, die von den Ästen den Menschen vor die Füße fallen. Du kennst die Hunde und Katzen, die Fahrräder, die Einkaufswägen, das Alles und Nichts scheinbarer Geschäftigkeit. Die Menschen draußen sind hohl, sind nur Hülle, wie Du nur Hülle warst, als Du noch in der Stratosphäre schliefst. Nun aber bist Du frei von kleingeistigem Leben, frei von scheinbaren Zufällen, frei von allem, zurückgeworfen auf Dich selbst.
Und Du merkst erst jetzt, wie einsam es in Dir ist. Wie still und wie gleichzeitig laut, denn alle Deine Stimmen schreien durcheinander, brüllen vor Schmerz und Langeweile, rufen nach Hilfe und dem Fernsehprogramm, sehnen sich nach Abwechslung und suhlen sich in der ewig gleichen Routine des Nichtstuns. Du merkst, wie unruhig es in Dir ist und wie sehr windstilles Meer.
Du fällst nicht mehr, Dein Sturz hat geendet, die Erde kommt nicht mehr näher, doch Du weißt nicht, ob der Aufprall schon kam, der Dich letztlich das Leben kosten wird. Du bist blind geworden in der Zeit außerhalb des Lebens, blind und taub und stumm. Reglos wie ein gestürzter Stein.
Flechten überziehen Deinen Körper wie einstmals Haut, kleine Käfer klettern über Deine Beine, Ameisen bevölkern Deine Arme, Deine Brust ein Wespennest, kleine Vögel nisten in Deinen Augenhöhlen, ein Specht in Deinem Schädel. Ein Ort ist aus Dir geworden, ein Ort des Widerspruchs und der Fülle, die sich selbst erschöpft, eine Oase und eine Wüste, Tiefsee und Urwald, Weltall und Getreidefeld. Das Leben sprießt und endet in Dir, alle Wurzeln wuchernd, alle Äste nach den Sternen greifend. Der Wind singt in Deinen Blättern, Eichhörnchen spielen Verstecken in Deinen Armen, Holz füllt Deine Lungen, Dein Herz eine Frucht von leuchtendem Rot.
In den letzten Tagen sommerlichen Herbstes werde ich ernten gehen, Dein Herz aufschneiden, das Fruchtfleisch essen, den Kern aber eingraben und auf die neue Blüte warten.

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