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Entzerrt | Ex Oikos

Wie wenn man einen Film in falscher Geschwindigkeit sieht, man bekommt kaum die Handlung mit, man erkennt kaum die Gesichter der Personen, man weiß nicht so recht, wo alles ist. Man schwimmt im Gewässer, das man zu kennen meint, und doch sind die Untiefen an anderen Stellen als gedacht.

Der neue Spielplatz gefällt, und doch ist es merkwürdig, da zu sein. Alles ist anders als gedacht.
Die Mutter sorgt sich, ich würde das auch wieder fallen lassen wie alles andere zuvor, aber ich lache nur und sage: ich habe nicht ein Jahr auf diese Stelle gewartet (wenn auch unbewußt), um sie jetzt, nach nur einer Woche, wieder aufzugeben. Wie blöd müßte ich denn da sein?

Trotzdem habe ich die Befürchtung, daß meine Kreativität zu kurz kommen könnte. Eine Wahl habe ich trotzdem nicht. Eine Alternative habe ich nicht.
pathologe - 10. Nov, 07:04

"Bleibt alles anders"

sang die weinerliche Stimme aus Bochum dereinst. Und das ist auch gut so. Der neue Spielplatz muss anders sein, damit er interessant ist und nicht von Anfang an langweilt. Sehen Sie es als Herausforderung, Lernprozess.

Und schalten Sie Ihr Telefon aus, wenn die Frau Mama anruft. Die kann auch ganz gut mal ohne Informationen auskommen.

Herr Wolf - 10. Nov, 20:44

Ich bin auch ehrlich beruhigt,

daß alles anders ist als gedacht. Wäre ja noch schöner, wenn das Leben überraschungsfrei wäre. Oder eben nicht schöner.
Anstrengend ist es trotzdem. Aber schön, und das ist wichtig.

Und die Frau Mama ruft eh nie auf dem Handy an, weiß sie doch, daß ich da nie rangehe. Und die Spielplatznummer hat sie nicht.
Lilli legt los - 10. Nov, 15:49

Mütter sorgen sich immer -

nur sollten sie es ihre Kinder nicht merken lassen, wenn sie auch nur einen Funken Verstand haben. Mit Kommentaren wie "hoffentlich lässt du das nicht auch wieder fallen wie alles andere" ist noch nie jemand ermutigt worden, auf die eigenen Stärken zu vertrauen...

Und wenn Sie Ihrer Mutter erst einmal weniger von sich erzählen würden?

Herr Wolf - 10. Nov, 20:49

Ich glaube nicht,

daß ich da noch viel ändern kann. Ich schaufele mich aus ihrem Radius frei, das macht ihr natürlich Angst, weil sie nicht loslassen will/kann. Daß sie dabei nicht ermutigt, sieht sie dann nicht. Wozu auch.

Neulich habe ich ein interessantes Buch gelesen, das die Schadhaftigkeit der Kinder von heute thematisiert hat und den Fehler, den Eltern gemacht haben, damit ihre Kinder so wurden wie sie sind:
Wieso unsere Kinder Tyrannen sind oder so ähnlich hieß das Buch, augenöffnend war es.

Ich habe die Nicht-Ermunterung meiner Mutter mittlerweile hingenommen, weil ich weiß, daß jedes "Und das macht Dir Spaß?" immer wieder bedeutet, daß sie nicht nachvollziehen kann, was ich tue. Und das macht mich vielleicht wieder ein Stück mehr zu einem unabhängigen Menschen.
Heike (Gast) - 12. Nov, 23:38

und wie Du wieder aussiehst...

heißt es in einem coolen Song von den Ärzten.
Auch andere machten die Erfahrung mit ihren Müttern, wenn nicht alle. Das hat mit dem Kind wahrlich niemals etwas zu tun. (Obwohl das Kind was mit den Sprüchen der Eltern irgendwann zu tun hat, wie Du ja auch in dem Buch gelesen hast)
Lieber Wolf, ich denke, Du machst das alles schon recht und gut. Auch Deine Bemühungen um Freiraum sind gut und richtig!

Also kann ich hier gar nichts weiter sagen.
Ich wollte nur anmerken, dass ich Dich auf Twitter vermisse. Wir haben da jetzt eben gänzlich unterschiedliche Zeiten.
Doch ich denke mir, dass ich Dir mal wieder eine Nachricht zukommen lasse. Es handelt sich ja um ein asynchrones Medium. :)

Also, ich wünsch Dir viel Glück und ein langsames Heimisch werden. Denn wenn Du Dich dort heimisch fühlst, dann hast Du auch wieder mehr Zeit für andere Dinge, die Dir wichtig sind. Das ist ein Naturgesetz, irgendwie!

Herr Wolf - 13. Nov, 06:54

Eigentlich wollte ich nicht

über meine Mutter schreiben, sondern nur das Zeitraffergefühl in Worte fassen. Und vielleicht doch ein wenig über meine Mutter schreiben.

Ich hoffe, daß ich das richtige tue. Eine Wahl hätte ich eh nicht.

Und ja, ich vermisse das gemeinsame Twittern auch, doch unsere asynchronen Leben lassen das nicht mehr zu, scheint es.

Es ist ja erst die zweite Woche, alles ist noch neu und verlangt viel. Vor allem manchmal zu viel Koordination für meinen Hang zum Chaos.

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