Ein Wolf für alle Felle | PETA und Herr Wolf

Coram Bello

Wortlos | Kein Anschluß unter einer Nummer | Coram Bello

Meine Stimmbänder sind derzeit etwas unterbelastet. Vor ein paar Wochen schob ich es noch auf eine Larynghitis, die ich letztes Jahr um die Zeit hatte, heute allerdings bin ich mir sicher, es ist nur auf die mangelnde Übung zurückzuführen.
Eben habe ich meiner Sandkastenfreundin per Mail mitgeteilt, daß ich am 21. Juni ein Büffet aufstaple und sie gerne zum abessen dabeihätte, statt ihr selbige Information auf den Anrufbeantworter oder direkt in ihr Ohr zu sprechen.
Merkwürdig, daß in Zeiten von so einfacher Kommunikation nichts schwerer fällt als diese. Neulich hätte ich beinahe einen Pensionär niedergeknüppelt, weil er im Sonnenschein des Kurparks sein Handy dabeihatte und laut in die Gegend telefoniert hat.

Was aber hilft gegen die Stimmbanduntätigkeit und eventuelle Beläge: Kirchenlieder singen. Vielleicht auch überhaupt singen. Kirchenlieder erfüllen aber wenigstens noch spirituell.

Mittlerweile - aber anderes Thema - avancierte ich mich zum Kenner der Materie "Wie verzweifle ich nicht, wenn ich nach dem Studium feststelle, daß mein Studiengang zu nichts taugt?". Die ehemalige Kommilitonin fällt fast vom Hocker vor Arbeitsmarktfrust und fragt ernsthaft mich um Rat. Wie leichtsinnig. jetzt wird sie doch Pharmaberaterin.

Gehen, schauen, schweigen | Coram Bello

Seit Wochen übrigens sehe ich den dicken Sommelier mir immer wieder über den Weg laufen: in der Fußgängerzone, im Supermarkt, im anderen Supermarkt, beim Spaziergang im Park, quasi dauernd. Weiß auch nicht warum, er stalkt mich nicht absichtlich, denn er versucht genauso wie ich, den anderen bis zum letzten Moment zu ignorieren.
Der dicke Sommelier ist Italiener, sein Bruder überraschenderweise auch. Letzterer arbeitet im familieneigenen Restaurant in Friedberg, das überraschend toll ist für Friedberg. Da allerdings habe ich den dicken Sommelier noch nie gesehen. Daß sie Brüder sind, weiß ich, weil ich ein Gespräch belauscht habe.
Wäre ich ein anderer, zum Beispiel der Weinhändler des Freundes, ich spräche ihn mal an auf unser häufig zufälliges Aufeinandertreffen. So aber lasse ich es. Bringt ja doch nix, habe ich doch kein Interesse an Gesprächen mit dicken Sommeliers.

Wie ich auch anderweitig nicht spreche. Habs schon fast verlernt. Merke ich immer, wenn ich mit der Mutter telefoniere, da bin ich immer so heiser, als wäre es das erste Mal seit Tagen, daß ich die Stimmbänder nutze. Merke ich auch beim Metzger, wo ich quietschend rinderhack für die Lasagne verlange oder am Gemüsestand, wo ich glücklicherweise nicht mehr sprechen muß, die Gemüsefrau weiß eh, daß ich Fenchel will und keinen Brokkoli.

Den dicken Sommelier interessiert nicht, was ich will. Er kennt mich ja nicht. Aber wir sprechen nicht, um das zu ändern. Wir halloen uns nur zu und ignorieren einander so gut es geht. Und es geht gut. Menschen ignorieren geht im Allgemeinen so leicht, daß es fast traurig ist.

Nicht zu ignorieren dagegen war das dicke Dekolleté. Ich sage nicht wessen, das weiß ja jeder eigentlich. Kleine Staatschefs freuen sich jetzt wieder auf Besuche aus Deutschland.

Kein Weg zurück | Coram Bello

Eine weitere Marotte, die ich pflege, fiel mir beim heutigen Broteinkauf ein und auf: kurze Wege nicht zurückgehen können. Es gibt psychologisch und/oder sozial vermindert funktionsfähige Personen, die nicht auf die Ritzen zwischen den Pflastersteinen treten können oder nur genau auf diese. Ich kann nicht in meinen eigenen Fußstapfen einen Weg zurückgehen. Umwege muß ich mir suchen, neue Pfade, die mir die Illusion vermitteln, voranzukommen und nicht zurückzugehen. Was natürlich albern ist, da Zuhause immer noch Zuhause ist und sich nicht verändert, egal, welchen Weg ich nehme.

Anderer Gedanke, den ich der Komilitonin S. gegenüber äußerte: Vielleicht komme ich nicht vom Fleck, weil ich nicht vom Fleck komme, statt, wie ich bisher dachte, nicht vom Fleck zu kommen, weil ich nicht vom Fleck komme.
Offensichtlich kennt sie mich doch gut genug. Sie hat gleich verstanden, was ich meine.

Nasser Hund | Premix | Coram Bello

Schwierig das Gefühl zu beschreiben, man fühle sich nackt, schwierig ist das, wenn man Kleider am Leib hat und davon nicht wenige, denn draußen ist kalt und naß, und eigentlich wäre es schlauer, tatsächlich nackt zu sein, denn dann ränne das Wasser am bloßen Leib herab und wäre fort und durchzöge nicht Faser und Naht und klebte die leidige Kleidung an den ohnehin nassen Körper, der mit jedem weiteren Tropfen nasser und schwerfälliger und unbehaglicher wird.
Ausziehen will man sich, die Kleidung und die Haut und, wo man gerade dabei ist, auch die Meinungen und Gedanken und Träume und Hoffnungen, die einem wie die nasse Kleidung schon immer im Weg waren, die den Rückweg nach irgendwo versperren, wo man sicherlich auch mal war, aber das muß lange her sein, denn die Erinnerung daran, wer und wie man einmal war vor Jahren und Meinungen, bevor man sein Gesicht und seinen Körper an die Maske und das Schema angepaßt hat, von denen das wahre Selbst (man bildet sich ein, man hätte eines) jetzt verhüllt ist, ist verloren, weggewaschen von dem Regen, der immer noch fällt und fällt und fällt und mit seiner Eintönigkeit alles erstickt, was Farbe und Lachen und Freude ist.
Da steht man also im Guß und zieht und zuppelt an seiner Haut und seinen Haaren und kann sich doch nicht trennen von dem Außen, so sehr man auch Furchen in den eigenen Körper zieht und Haare aus ihm heraus, es öffnet sich kein Weg, der Entkommen und Neuanfang hieße, dabei will man doch nur raus aus der alten Haut und frei und wild sein und sich den Träumen, denen man ewig hinterherzujagen schien, endlich stellen und auch den Ängsten, die man wie alte Narben mit sich herumtrug all die Jahre.
Und doch fühle ich mich seltsam nackt und bloß. Ungeschützt vor dem Regen stehe ich auf der Straße und die Leute sehen mich an, als wäre ich nicht ebenso Mensch wie sie. Sie blicken mich an mit fremden und kalten Augen, die ohne Verstehen und Mitgefühl sind. Der Regen fällt auf meine Haare und mein Gesicht und meinen Körper, während ich nur dastehe und in den Himmel starre.
Sie sehen nicht den Kampf in mir, der nicht Stillstand ist und Ruhe, der nicht einziges Geschehenlassen ist, sondern Zähmen des Wolfes, der keine Ruhe geben will und Freiheit und Wildheit will und Blutvergießen will bei Widerstand. Sie sehen es nicht, aber wie sollten sie auch, sie sind nicht nackt und fühlen den Regen nicht auf der Haut.

Nummer Eins | Coram Bello

Wer das Richtige tun will, muß erst das Nötige tun.

Gespräch am Rand der Gesellschaft | Coram Bello

Während die restliche Familie Kuchen essend auf dem Sofa saß, sprachen zwei auf der sonnenüberschwemmten Terrasse über das Wesen der Menschen. Gut seien sie, von Grund auf und in jeder Faser des Seins, sagte der Eine und zündete sich eine Zigarette an.
Der Andere nahm einen Schluck von seinem Kaffee und blinzelte gegen das helle Licht an. Wenn die Menschen wirklich gut sind, wieso führen ihre Bestrebungen nicht dazu, die Welt, die sie sich untertan gemacht haben, zu einem besseren Ort zu machen?
Statt einer Antwort blies der Eine Zigarettenrauch in die Luft und hob die Augenbrauen.
Verbrennungsmotoren, fuhr der Andere fort. Anfang des 19. Jahrhunderts leitete die Erfindung von Verbrennungsmotoren das Zeitalter der Industrialisierung ein, von deren Innovationsimpuls wir auch heute noch zehren. Die Motoren trieben zunächst Webstühle an und die Weber in den Ruin, heute werden Kriege geführt um fossile Brennstoffe, deren Vorkommen in der Vergangenheit relativ bedenkenlos bis zur Neige ausgeschöpft wurden. Und jetzt, wo wir entdecken, daß all das restliche Erdöl dieser Welt uns nicht mehr warmhalten kann, verbrennen wir Lebensmittel, bis die Atmosphäre sich so sehr aufgeheizt hat, daß wir uns selbst verbrennen. DAs wird uns keine Auszeichnung von Schöner Wohnen einbringen.
Der Eine schwieg einen Moment und sagte dann: Warum dann aber alles? Wozu die Erde, wozu das Universum, wenn es nicht einen Plan dabei gäbe? Warum gibt es das alles?
Warum nicht? Vielleicht läuft alles darauf hinaus: Null - Eins.
Sie schwiegen einen Moment. Dann öffnete eine junge Frau die Tür zur Terrasse und sagte: Zeit für Geschenke, kommt rein.
Der Eine drückte seine Zigarette aus, der Andere trank den letzten Rest kalten Kaffees, dann folgten sie der jungen Frau.

An die Wirklichkeit | Coram Bello

Das Intermedium des Ich und Andere erschöpft sich in mir. Unfaßbar bin ich geworden, aus- und überläufig, wie Krüge vor Brechen. Normalität einziehen lassen entspricht dem Notbedürfnis der in Schatten trotz Sonne untergehenden Person. Anderwortig zu äußern mag nicht gelingen angesichts der Vielworterei vor dem irrlichternden und illusionären Allwissenden. Dies ist kein Hilferuf, es ist ein Schlußruck, dem kein Strich zuzufügen, ein kryptisches Zeugnis der Demut an den Unmut und die Verzweiflung, die einzunisten sich nicht gefallen lassen kann der vorverzweifelte Zweifler.
Das Interim findet Enden, die nicht an mich knüpfen wollen und nicht an mir münden, anströmend gegen das Licht des Tages und die Schatten der Nacht und die Platitüden der Dämmerung. Austrete ich in die Welt hinter der Illusiuon des Nichtgänglichen, eintrete ich in das Vivat! des Tatsächlichen.
Das Interesse erstarkt wie Nachebbenflut und Nachtrockenzeitregen, stillend dürstenden Sand und rissige Erde. Rückfließend ins Leben, aufatmend nach langem Tauchgang ins Meer. Halte ich die Leine des Drachen, der mich trägt aus dem wortstillen Tal.

Memento | Coram Bello

Ich erinnere mich nicht.
Alles habe ich vergessen.
Alles ging verloren.

Ad lucem | Coram Bello

Zum Unglück seien die Menschen geschaffen, ihr Streben nach Glück mehre nichts anderes als dessen Gegenteil. Im Versuch Weniger, durch Wohlstand Zufriedenheit zu erreichen, verarme die Mehrheit, durch den Willen zur Freiheit unterdrücke eine Minderheit die vielen Übrigen. Der Kampf um Frieden erzwinge mehr Tote als das Abfinden mit der Wolfhaftigkeit der Menschen den Menschen gegenüber.
Nicht zum Glück seien die Menschen geschaffen, all ihr Tun verderbe sie selbst und das, was sie berührten.

Aufräumen gefährdet Ihre Gesundheit | Coram Bello

Der Freund kennt das. Staubsaugen verursacht bei ihm immer allgergische Reaktionen, die sich zu einem grippalen Infekt ausweiten. Behauptet er. Angesichts des letzten Anfalls glaube ich ihm das gerne, immerhin war ich es, der dem Darbenden dann Medikamente gegen Fieber holen mußte.
Das war übrigens gleichzeitig mit der Aktion von Lemocin, jeder verkauften Packung ein knallgrünes Fieberthermometer beizulegen. Weiß ich, weil ich kurz nach dem Erwerb eines nagelneuen Fieberthermometers zur Behandlung meiner ansteckungsbedingten Larynghitis dauernd Lemocin gekauft habe und jetzt fünf Fieberthermometer besitze.
Ungesunder allerdings ist es, einen instabil stehenden Schrank des Schwerpunktes zu berauben, indem man die Aktenordner mit den Uni-Unterlagen aussortiert. Da schaut man ja eh nicht mehr rein und wenn, ärgert man sich bloß darüber, daß man im zweiten Semester eine Information aufgeschrieben hat, die man ... einige Semester später mühsam aus Fachbüchern recherchiert hat.
Fällt allerdings der Aktenordnerhaufen weg, fällt der Schrank gerne um. Dumm, wenn man gerade noch halb drinsteckt. Gut aber, wenn der Schrank bis dahin schon leer ist, dann kann man sich prima in den jetzt freien Raum quetschen, der vormals mit Ordnern vollgestopft war.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein Bild posten, das ich vor ein paar Monaten auf der Suche nach einem Sketch mit Kullerpfirsichen war. Ich finde es nur nicht mehr, denn ich habe gestern meine Bilderordner aus- und aufgeräumt.

Kennt übrigens jemand einen Ratgeber zur schriftlichen Gestaltung einer Pointe?

Erste Worte

Als Neolog berichtet Herr Wolf live von der Front, geizt aber auch nicht mit tiefen Einblicken in eigenes und fremdes Seelenleben. Kryptik und mitunter eigenwilliger Sprachumgang haben Herrn Wolf in den letzten sechs Jahren nicht dauerhaft unterkriegen können. Herr Wolf beweist auch 2008 wieder seine Steherqualitäten und zeigt der Welt seine Zähne.
Kritik, Aufmunterung, Fragen oder auch allgemeine Post bitte an herrwolf web de
Hier die ausführliche Bedienungsanleitung.

Letzte Worte

belgien
wenn schon belgien, dann aber auch richtig: wie praktizieren...
herr axel - 16. Mai, 12:06

Mahnende Worte

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