De Re Publica
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle noch vor der Wahl eine Grundsatzrede, ein Pamphlet, eine Bittschrift hinterlassen, die die Mängel der Gesellschaft und die notwendigen Schritte zur Heilung aufzeigen könnte.
Aber ich hatte erstens zu wenig Zeit und zweitens ein Buch, das mich davon überzeugt hat, dass die Art von Gesellschaft, die mir eigentlich vorschwebt, gar nicht aus der jetzigen hervorgehen kann, ohne sie zu zerstören.
Die ziellose Gesellschaft, die Demokratie der Ängstlichen und Selbstverleugner, die Welt, in der man keine persönliche Verantwortung und keinen Bezug zu den Menschen und Dingen in seiner Umgebung hat, diese von sich selbst distanzierte Welt hat sich überlebt. Wir müssen einen neuen Weg einschlagen, einen, der uns mit unserer Umwelt und mit unseren Mitmenschen wieder in Kontakt bringt, einen Weg, den wir nicht alleine gehen können, den aber auch kein anderer für uns gehen kann. dieser Weg vereint Eigenverantwortung und Freiheit mit Hingabe und Berufung, Selbstverwaltung mit Gemeinschaftssinn.
Wie wir aber dahin gelangen können, vor allem, wie wir dahin gelangen können trotz (und nicht mit) unseren Politikern, die nur noch Masken und keine Menschen mehr sind, das weiß ich noch nicht. Sobald ich es weiß, sage ich aber Bescheid.
Bis dahin rufe ich trotzdem dazu auf, wählen zu gehen. Vielleicht können wir diesmal doch etwas ändern.
Wenn ich samstags auf dem Balkon über der Fußgängerzone sitze, dann sehe ich von oben auf die Menschen, die mit tropfendem Eis und einem Lächeln im Gesicht durch die Fußgängerzone spazieren. Ihre Schritte sind die von glücklichen Menschen: sie haben kein Ziel, kein bestimmtes Tempo, nicht die gestanzte Länge von Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Die Menschen, die ich vom Balkon aus sehe, essen Eis und freuen sich.
Mitunter verkürzen, beschleunigen sich die Schritte der Menschen, sie streben auseinander, wie der Fluss vor einem Felsen ausweicht. Was sie vermeiden ist die Politik, die in Gestalt von orange bewesteten Wahlkampfhelfern Stundenpläne, Bleistifte und Lineale an Freizeit-Menschen verteilen will.
Ich gehe hinunter.
Worin das Problem bestehe, frage ich. Man müsse doch den Menschen nicht den Samstag damit verderben, dass man mit ihnen über Politik redet. Die Menschen wollen frei haben und Eis essen.
Nichts da, sagt die Weste, die Menschen wollen informiert werden, sie wollen doch wissen, wen sie wählen sollen bei der Bundestagswahl. Ob ich ein Lineal wolle.
Was denn die Kandidatin gegen die Passiv-Politik machen wolle. Was denn die Kandidatin gegen die Parallelgesellschaften Politik und Volk tun wolle. Wie man die sozialen, intellektuellen und emotionalen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten abmildern wolle. Wieso man nicht die Ursachen, sondern die Symptome von Kriminalität mit Politik behandle. Warum man von poltischen Inhalten mit Dienstwagen, Gesetzesentwürfen und Geburtstagsessen ablenke. Warum man mir auf keine meiner Fragen zufriedenstellende Antworten geben könne, all das frage ich.
Und die Weste sagt: Wollen Sie noch einen Bleistift zu Ihrem Lineal?
Eine Platzwunde später steige ich wieder nach oben auf den Balkon und schaue hinab auf die Menschenwogen, die von Politik so wenig wissen wollen wie die Politiker, die sich aufgeblasen haben und dann entschwebt sind in eine Republik, die fern des Volkes stattfindet, das sich mit echter Arbeit und echter Arbeitslosigkeit herumschlägt.
Und dann erfinde ich eine neue Gesellschaft, in der nicht Gleichförmigkeit und Gleichgültigkeit vorherrschen, sondern der Wille, miteinander und füreinander zu arbeiten. Wo Einzelgänger nicht noch stärker ausgegrenzt werden, sondern mit ihren besonderen Fähigkeiten und Perspektiven einbezogen werden in die gemeinsame Gestaltung der Zukunft. Eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder zu Teilhabe und Engagement motiviert statt Nährboden für Misstrauen und Paranoia zu sein. Eine Gesellschaft, die in ihren Zielen nicht unerreichbare Utopien sieht, sondern Träume, die es wert sind, verwirklicht zu werden.
Und dann gehe ich wieder hinunter zu der Weste und kaufe dem Menschen dahinter ein Eis.
Symptomatisch scheint es für die Generation, der 9/11 mehr als Fixpunkt dient als 11/9: selbst angesichts des Todes des Mannes, der die Popkultur verkörperte, ist der eigene Nabel wichtiger als die Würdigung des Gesamtkunswerkes Michael Jackson.
Aber auch das ist Pop: Erzeugen von egozentrischem Inhalt aus scheinbar nicht dazugehörendem Kontext, medial übermalt, schrill überreizt, vom Grund der Wortmeldung so weit entfernt wie Michael Jackson von der Realität.
Das hat ein Ende. Mit Michael Jackson hat auch der Pop seine Grenzen erreicht. Das Phänomen der individuell geprägten Gestaltung des Internets hat eine Grenze erreicht, die nicht leicht zu erkennen ist in Zeiten des Überflusses: Sättigung.
Wir sind übervoll von allen Reizen des Individuums. Lange schon ist ein einfaches Linklog nicht mehr ausreichend, schon lange muss über Befindlichkeiten und Täglichkeiten berichtet werden. Jede Äußerung eine weitere Facette im Scheinbaren, jedes scheinbar neutrale Wort doch eine weitere Facette der Profilierung. Die Zukunft dieser großen Egomanie wird nur eines sein: Langeweile.
Dem Ego gehört nicht mehr die Zukunft. Wir müssen und werden zurückfinden zu einer Gemeinschaft, die das in sich trägt, was eine Gemeinschaft mehr ausmacht als liebevoll gestaltete Profile eines sozialen Netzwerks: der Wille gemeinsam etwas zu bewegen und zu bewirken, die Entdeckung der Macht der Massen.
Jetzt ist es an uns allen, die wir das Internet besser kennen als unsere Nachbarschaft: Wir müssen unsere Gemeinsamkeit entdecken, unsere Verantwortung als die tatsächliche Mitte der Gesellschaft annehmen. Wir dürfen nicht länger so tun, als wären wir blind und taub, wenn es um unsere Zukunft geht.
Wir dürfen in unserem eigenen Interesse Entscheidungen über unsere Interessen nicht denen blindlings anvertrauen, denen das eigene Wohl näher ist als das unsere. Es ist Zeit, dass wir mit unserer passiven Anteilnahme an der Gesellschaft aufhören. Wir müssen die Glitzerwelten des Pop hinter uns lassen, in der wir alle kleine Könige sind. Denn Könige sterben. Der König ist tot.
Wer übrigens vielleicht noch einen Hinweis auf die Wahl morgen haben will, sollte sich mal den
Wahl-o-maten anschauen. Erstmals mit allen zur Wahl stehenden Parteien.
Lassen auch Sie sich überraschen.
So. Muss zur Arbeit.
"Wir müssen den Menschen unsere Politik noch besser erklären."
Wolfgang Schäüble im Spiegel-Interview
Die Demokratie erhebt sich aus der Gesellschaft, aus der Mitbestimmung der Massen an der Entwicklung des Staates. Denkt man so leichthin. In der Tat aber gleicht der demokratische Staat eher der elliptischen Umlaufbahn der Erde um die Sonne. In der Regelmäßigkeit von Jahreszeiten nähert und entfernt sich die Elite (im Wortsinn zu verstehen) dem Volk, je näher eine Wahl rückt, umso volksnäher, umso verständiger, umso menschlicher geben sich die Politiker.
Dieses Tidenverhalten ist nicht zwangsläufig Absicht. Vielmehr ergibt es sich aus der Funktion des Politikers, im Auftrag des Volkes die Gesamtentwicklung, das große Bild, die globalen Zusmmenhänge zu sehen. Nur durch den Selbstentzug aus der kleinbürgerlichen Sphäre kann der Politiker die Entwicklung des Staates vorantreiben, will er Politik und nicht Revolution, die per definitionem aus dem Inneren der Gesellschaft stammt.
Insofern ist die Entfremdung des Politikers verständlich und sinnvoll. Unverständlich und dumm ist es allerdings, wenn der Politiker davon ausgeht, das Volk müßte zum Politiker kommen und nicht umgekehrt. Wolfgang Schäuble deutet in seiner oben zitierten Satz aber genau das an. Nicht der Politiker ist in der Verantwortung, eine dem Wähler verständliche Politik zu machen, dem Wähler obliegt es, die Politik der Elite zu verstehen. Die Sonne soll der Erde folgen.
Es ist dies ein Missverständnis vieler Politiker, vielleicht aller Politiker Deutschlands, vielleicht eines der Politiker weltweit. Der Glaube, der Staatsbürger als Stimmvieh sei unfähig, die komplexen Anforderungen der Staatsführung zu verstehen, erzeugt in den Federführenden den Wunsch, zusätzlich zu einer grundsätzlich unverständlichen Politik noch Energie in die Erklärung derselben zu investieren, statt nachvollziehbare Politik zu machen. Dabei ist es genau dieser zusätzlich erzeugte Energieverlust westlich-demokratischer Politik, der zu Politikverdrossenheit und Demokratie-Entfremdung beiträgt, bis das Fundament der Demokratie, die Gesellschaft, irgendwann nicht mehr vorhanden ist. Bis der um sich selbst auf seiner elliptischen Bahn kreisende Planet Politik keine Sonne mehr hat.
Der Junge, der gestern schoß und 17 Menschen tötete, hatte Pornobilder auf dem Rechner und Killerspiele, war nahe der sozialen Isolation, spielte mal Tischtennis, interessierte sich für ein Mädchen aus der Nachbarschaft. Wie ungewöhnlich für einen 17jährigen.
Die Waffengesetze seien schuld, sagen andere, man müsse verschärfen, was noch zu lose sei. Killerspiele lasse die Kinder verrohen. Die Eltern müßten mehr in die Pflicht genommen werden, die Lehrer, die Mitschüler, die Sportvereine, die Hüter der Gesetze, irgendwer hätte doch mal kommen sehen müssen was passiert.
Wie aber. Wenn wir noch nicht mal die Reaktion eines Menschen, den wir vielleicht verstehen könnten (den Typen im Auto neben uns beispielsweise), vorhersehen, bevor er uns in die Leitplanke drückt, wie sollen wir dann als Gesellschaft sehen, was in abgeschiedenen Kammern geschieht? Eben. Wir können nicht alles sehen, wir können nicht alles sehen, zum Beispiel, dass auch und gerade eine normierende Gesellschaft Außenseiter, Abweichler, Gefolgsamkeitsverwehrer schafft.
Die Gesellschaftsversehrten dämmern in ihrer eigenen Stille, wo niemand sie sucht oder befragt nach ihren Wünschen und Träumen und Hoffnungen, nach Ihrer Wut, ihrem Zorn, ihrer Trauer, ihrer Ohnmacht und dem Verlangen, einmal der Ohnmacht zu entkommen. Die Gesellschaft sieht weg, wie sie immer wegsieht, die Gesellschaft ist ihr genaues Gegenteil, nicht gesellig, sondern abschottend, sie kreist um sich selbst statt um ihre Mitglieder, sie tut für sich, was sie für andere nie täte.
Die Gesellschaft erschafft sich ihre eigenen Schatten, Attentäter, Mörder, Räuber, Vergewaltiger. Die Debatte, die jetzt wieder vom Zaun gebrochen wird, geht daran aber erneut vorbei.
Wir sind natürlich schockiert, wir haben Mitleid, fühlen uns selbst verletzt und versehrt. Wir haben Angst vor den Verletzungen und vor allem: als Entsetzen getarntes Schuldgefühl, daß wir versagt haben, daß unsere Gesellschaft mal wieder nicht geschafft hat, was sie sich vorgenommen hatte. Sich selbst zu bessern und nicht ins eigene gezückte, offene Messer zu laufen.
Der Junge, der gestern Menschen um Leben, Liebe und Zukunft brachte und sich selbst der strafenden Justiz entzog, war einer aus der kreisenden Gesellschaft, die Hand, die die Waffe auf die Gesellschaft richtete, der Finger, der den Abzug drückte, war die Gesellschaft selbst.
Vor der Haustür liegt Norbert Kartmann und lächelt mich an. Er hat einen grauen Anzug an, eine bunte Krawatte um den Hals, einen Steifelabdruck im Gesicht. Er wünscht mir eine frohe Weihnachtszeit, aber ich kann ihm nicht glauben. Das einzige, was er mir wünscht, ist die Einsicht, daß ihn bei der Landtagswahl im Januar zu wählen das einzig richtige sei. Ich wünsche ihm viel Glück dabei und drücke auch meinen Stiefel in sein Gesicht, das wie Herbstlaub in der ganzen Fußgängerzone verstreut liegt.
Die CDU versucht es mal viral. Statt um Stimmen zu werben, wünscht sie den Menschen im Lande frohes Fest, vielleicht in der Hoffnung, dass nachweihnachtliche Milde (zusammen mit der maßlosen Enttäuschung über das Verhalten der SPD im Jahr 2008) zu einem erdrutschartigen Sieg für die Christdemokraten führt. Mich lässt das nicht kalt. Im Gegenteil brodele ich fast vor Wut über diese Scheinheiligkeit: die Vorgabe, sich für das Volk zu interessieren und doch nur auf seine Stimme zu schielen, macht mich fuchsig, nicht nur den Herrn Kartmann, auch Roland Kochs breites Lebkuchenpferdlächeln, mit dem die Fahrbahnränder tapeziert sind, möchte man treten und treten und treten, bis das Papier reißt und klar wird, dass auch hinter diesem Wunsch an die Wähler nichts steht außer der Landschaft, die das Plakat verdeckt.
Was soll anders werden im Land, fragt man nicht. Weiß ja jeder, daß sich nichts ändert. Die Menschen geben die Stimme ab, die Politiker, die ja eigentlich für das Volke sprechen sollen, debattieren ein Jahr darüber, wie sie das Volksvotum am besten für sich auszulegen haben und dann geben sie die Stimmen zurück und wollen neue statt sich einmal über die Animositäten hinwegzusetzen.
Klar: der politische Alltag ist nicht einfach, da prallen Egomane aufeinander, die nur deswegen Politiker geworden sind, weil nirgendwo sonst soviel Freiraum zur Entfaltung der kruden Persönlichkeit vorhanden ist. Daß sie sich dabei aber wie Heißluftballone vom Boden entfernen, sehen sie erst, wenn ihnen das Gas ausgeht.
Glück haben sie, daß die Menschen vergeßlich sind. So wie ich nach ein paar Schritten Herrn Kartmann vergessen habe, der immer noch lächelnd in der Fußgängerzone liegt und von Menschen betreten, die ihm so fern sind wie die langsam aufziehenden Regenwolken.
Edmund Stoiber macht heute wahrscheinlich ein Glas Sekt nach dem anderen auf, denn an der Niederlage seiner Mörder kann er sich bestimmt umfassend delektieren, zumal er selbst nicht unschuldig ist am Vertrauensverlust der CSU in der bayrischen Bevölkerung.
Achtete man am gestrigen Abend weniger auf die ploitikertypischen immer hohlen Worte und mehr auf die Körpersprache der beteiligten CSU-Politiker, dann konnte man schon manches künftige Stühlerücken erahnen. Das Glänzen in den Augen von Horst Seehofer beispielsweise oder die nur scheinbare Selbstsicherheit der demnächst ehemaligen Generalsekretärin Christine Haderthauer, die den Verlust der CSU in neutrale Worte zu kleiden suchte.
Der ebenfalls demnächst ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein sah im ZDF-Interview mit Klaus Kleber so aus, als wollte er anfangen zu weinen. Die respektlose Bissigkeit Klebers konnte einem mit Beckstein mitleidenden Zuschauer allerdings auch das Gefühl geben, Kleber trete einem bereits am Boden Liegenden die Genitalien zu blutigem Brei.
Überhaupt machten alle Journalisten, die über die Wahlergebnisse berichten durften, den Eindruck, sie seien ein wenig high bei soviel Spektakel. Verständlich eigentlich, wenn man den ganzen Sommer über das lahme Geziehe in der Bundes-SPD berichten mußte.
Die CSU wird die nächsten Wochen zur Analyse nutzen, an deren Ende eine Koalition mit der Bayern-FDP (deren Vorsitzender Martin Zeil ja in seiner unreflektierten Ausdruckslosigkeit und an Dummheit grenzenden Kompromißlosigkeit erstaunliche Resemblencen an den Vorsitzenden der Hessen-FDP Jörg-Uwe Hahn zegte) stehen wird.
Das grundsätzliche Problem nicht nur der bayrischen Politik wird aber bleiben: die Unvereinbarkeit rein bürokratischer Wählerverwaltung mit einer bürger- und lebensnahen und damit notwendigerweise pragmatisch orientierten Gestaltung der Gesellschaft. Solange die Gräben in der deutschen Gesellschaft - Alt gegen Jung, Reich gegen Arm, Politiker gegen Bürger und viele weitere - nur mit immer neuem Personal und nicht mit innovativen Lösungen überbrückt werden sollen, wird das grundlegende Problem der deutschen (und letztlich internationalen) Politik nicht gelöst.
In
"Welcome, Mrs. President" spielte
Geena Davis die erste Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika, die durch den überraschenden Tod des eigentlichen Präsidenten die erste Präsidentin der USA wird. Als Mackenzie Allen spielt Geena Davis eine menschliche, fast rebellische und vor allem unabhängige Präsidentin, die immer wieder versucht, sich den Anfeindungen aus dem eigenen und dem gegnerischen Lager zu erwehren, was auch mehr oder weniger gelingt.
In der richtigen Welt wurde vor einiger Zeit die Gouverneurin
Sarah Palin als Vizepräsidentin unter
John McCain nominiert. Und obwohl das Amt des Vizepräsidenten in der Regel nur der Repräsentation und der Stimmviehwerbung dient, ist nach Einschätzung von
Naomi Wolf von der
Huffington Post die Wahl von Palin nur ein weiterer Schachzug von
Karl Rove und
Dick Cheney. In Palin hätten sie die perfekte Marionette gefunden, die nach dem nicht ganz unwahrscheinlichen Todesfall von John McCain das Amt übernehmen würde.
Naomi Wolf malt in ihrem
Artikel auf Alternet (via
Fefe) ein düsteres Bild von Palins Präsidentschaft. Ein rigoroser freiheitsbeschneidender Polizeistaat solle geschaffen werden, in dem Protest als terroristischer Akt definiert werden könne. Mit den entsprechenden Folgen. Cheney und Rove, die bereits als Architekten der Politik unter George Bush nach dem Elften September eindrucksvoll gezeigt haben, zu welchen Einschnitten bei persönlichen Freiheiten die Amerikaner bereit sind im Angesicht von terroristischen Bedrohungen, würden über die Vizepräsidentin die Geschicke des mächtigsten Landes der Welt lenken.
Sarah Palin wäre anders als Mackenzie Allen keine unabhängige und freidenkende Präsidentin, sie würfe nur den Schatten, aus dem heraus Rove und Cheney Amerika in ein unfreies und undemokratisches Land verwandeln würden.
"Welcome, Mrs. President" wurde nach einer Staffel wieder abgesetzt. Bleibt für die Amerikaner und den Rest der Welt zu hoffen, daß (um im Bilde zu bleiben) die Präsidentschaft McCain-Palin bei dem Plot, den Naomi Wolf befürchtet, noch vor dem Pilotfilm eingestellt wird.
[Edit: In
diesem Video stellt Naoimi Wolf ihr Buch "The End of America" vor und zieht Parallelen zu mehreren Gelegenheiten in der Geschichte, wo die Errichtung eines oppressiven Staates erfolgte, unter anderem bezieht sie sich auf die letzten Jahre der Weimarer Republik, als die Demokratie immer weiter ausgehöhlt werden konnte, bis das Dritte Reich alle Demokratie unter sich begrub.
Sie hat in diesen Jahren und in anderen historischen Gelegenheiten 10 Schritte zur Abschaffung der Demokratie entdeckt, die sie in ihrem Buch und
diesem Artikel aufdröselt:
1. Invoke a terrifying internal and external enemy.
2. Create a gulag.
3. Develop a thug caste.
4. Set up an internal surveillance system.
5. Harass citizens' groups.
6. Engage in arbitrary detention and release.
7. Target key individuals.
8. Control the press.
9. Dissent equals treason.
10. Suspend the rule of law.
Auf Deutsch zu finden bei
Anna Kühne.]
Und nein, ich meinte nicht, liebe Autofahrer allerorten, man soll die Regeln der StVO brechen, die sind nämlich überwiegend wichtig und sinnvoll so, wie sie sind.
Blinken ist gesetzlich vorgeschrieben beim Spur- und Richtungswechsel, so wie es übrigens verboten ist, durchgezogene Linien zu überfahren.
Auf einer Fahrspur, die mit einer dicken unterbrochenen Linie von der restlichen Fahrbahn getrennt ist (wie beispielsweise Abbiegespuren auf Autobahnkreuzen), darf man auch rechts den restlichen Verkehr überholen, verboten ist dies allerdings bei sonstiger Fahrbahnmarkierung. Ausnahmen: stockender Verkehr oder in der Stadt. Verboten ist es übrigens auch, bei Stau einfach mal eben auf die Standspur auszuweichen, um bis zur nächsten Ausfahrt vorzufahren, so es nicht extra angegeben wird.
Was im Übrigen nicht verboten ist, es aber sein sollte: brennende Gegenstände, also bspw. Zigarettenstummel, aus dem Fenster zu werfen. Überhaupt sollte man gar nichts aus dem Fenster werfen, denn wo immer man es hinwirft, liegt es rum und keiner macht es weg. Da wird man dann schnell vom Verkehrs- zum Umweltsünder.
Ansonsten ist es auch hilfreich für alle, nicht auf Unfälle zu glotzen, vorausschauend und rückschauend zu fahren, bei einer kritischen Situation weder die Nerven zu verlieren noch gleich mal die Warnblinker anzumachen (meistens ist es völlig unnötig und erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Stau nur, weil gleich wieder alle panisch reagieren). Es empfiehlt sich überhaupt, das eigene Gehirn zu benutzen dun gleichzeitig zu berücksichtigen, daß andere das nicht tun. Fahren Sie also genau so, als seien Sie sich dessen bewußt, daß Sie ein Mordinstrument führen: Passen Sie auf!
Und wenn ich kein so netter Mensch wäre, wie ich im Übrigen bin, würde ich jetzt auch noch die ganzen Kennzeichen der Autos hinschreiben, die mir auf meiner sechsstündigen Fahrt gestern dermaßen auf den Sack gegangen sind, daß ich Mühe hatte, nicht unflätig im Auto rumzubrüllen. Aber so lasse ich das einfach so, wie es ist hier stehen, und hoffe, daß der Zufall das Seine dazu beiträgt, Verkehrslegastheniker eines Besseren zu belehren, bis wir uns auf einer Autobahn meiner Wahl wiedertreffen.