Ein Wolf für alle Felle | PETA und Herr Wolf
De Re Publica
Ehrlich gesagt kann ich mich nicht an die Sendung erinnern, die mit dem Beitrag über die Milchpreise schloß, eine vage Ahnung sagt mir, es sei eine Nachrichtensendung gewesen. Um Butterpreise ging es da zunächst, um dann auf die Milchpreise umzuschwenken, die demnächst wohl wieder bei irgendeinem Tiefstand angekommen sein werden, während alle anderen Lebensmittel teurer werden.
Die Verbraucher wurden befragt und auch die Produzenten, und ebenso erwartbar wie unterschiedlich fielen auch die Meinungen zum Milchpreis aus: die Milchbauern bangen um ihre Existenz, wenn der Milchpreis noch weiter fällt und fordern 43 Cent pro Liter statt der von den Großabnehmern wie Supermärkten geforderten 27 Cent pro Liter. Die Verbraucher dagegen sahen sich ganz auf der Seite der Großabnehmer, einer der Befragten gab ganz idiotisch seine Meinung kund, daß doch wenigstens die Milch billiger werden könnte, wenn doch schon alles andere teurer werde.
Was soll man dazu sagen, fragt man sich. Am besten nichts, denn es interessiert niemanden. Wir leben im Land des Überflusses, wo Getreide zu Benzin umgenutzt wird, wo Familien in Verpackungsmüll ersticken, Jugendliche zu dick für den Wehrdienst sind und Lebensmittel zu Schleuderpreisen verramscht werden. Arme, billige Heimat.
Warum eigentlich, das geht mir nicht so recht in den Kopf, muß sich eigentlich die Frau Ypsilanti hinlegen, damit alle mal mit ihren Sondierungsgesprächen über sie drüberrutschen können, nur um dann festzustellen, daß es so doch nix langfristiges wird, während Rolle Koch hämisch grinsend den Voyeur gibt?
Warum eigentlich, das frage ich jetzt also mal, beläßt die Frau Yps es nicht einfach dabei zu sagen: Wir haben einen Politikwechsel gewollt, den haben wir auch, soll der Herr Koch mit seiner aufgeblasenen CDU doch mal sehen, wie er sich mit einer schwarzgelben Minderheitenregierung ins Abseits regiert, damit er nicht 2009 zur Belohnung für den Machtverlust in Hessen in die Bundespolitik umzieht.
Oder habe ich einen eklatanten Denkfehler?
Sie haben es auch gelesen oder zumindet im Radio gehört? Daß Kernkraftwerke Krebs auslösen? Fühlen Sie sich jetzt unsicher, weil Kernkraft mehr denn je Strahlung, Zerstörung und Tod heißt? Weil es unsere Kinder krank macht? Sie sind schon fast hysterisch?
Dann erzähle ich Ihnen mal was: Vor einigen Jahren gab es eine ähnliche Studie schon einmal. Der Einfluß von Hochspannungsstromleitungen auf die Inzidenz von Leukämie wurde untersucht und eine erschreckende Korrelation festgestellt: Je näher an einer Hochspannungsstromleitung eine Familie lebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie von einem Leukämiefall betroffen ist.
Natürlich sind die Erkrankgungshäufigkeiten an unattraktiven Orten höher. In Slums ist die Gefahr einer Ruhr größer als im Frankfurter Westend. Wohlstand entscheidet über Lebensort und Lebensart. Wer es sich nicht leisten kann, NICHT unter einer Brücke, unter einer Hochspannungsleitung, neben einem Atomkraftwerk zu leben, der hat wahrscheinlich auch kein Geld für gesunde Lebensumstände übrig.
Warum schreibe ich das? Weil Zusammenhänge viel zu oft falsch gedeutet werden, darauf aber nie jemand hinweist. Heute wie damals. Ich will nicht Reaktortechnik schönreden oder die Gefahren, die damit verbunden sind, ignorieren. Es geht aber um den Umgang mit Fakten, der richtig sein sollte und es oft nicht ist.
Denken Sie mal drüber nach.
Nehmen Sie's diesmal englisch, also kurz (da denken Sie jetzt bitte mal drüber nach, wie doppeldeutig der verwirrte Herr Wolf das gemeint hat): Welchen Sinn hat denn ein Biosiegel für Produkte, die nur zu 95% aus biologischem Anbau sein müssen und sogar bis zu 0,9% gentechnisch verändertes Material beinhalten dürfen?
Ich weiß nicht, ob es mich interessieren soll: Harald Schmidt, dessen
Nabelschau Late-Night-Talk ja eher schleppend lief, wird demnächst ein verändertes Sendeformat mit
Hohlbacke Oliver Pocher bestreiten.
Das ging gestern schon durch die Medien, insofern ist der Informationsgehalt hier recht gering. Vielleicht, das wird nicht gesagt, wird es so etwas wie Schmidteinander, wo Harald Schmidt und Herbert Feuerstein sich gegenseitig und ihre Gäste niedergemacht hatten, ohne Rücksicht auf Verluste, Privatsphäre oder Gürtellinien. Nicht daß ich Feuerstein mit Pocher vergleichen wollte, das grenzte an Blasphemie.
Jetzt regen sich natürlich wieder viele auf, beschimpfen Harald Schmidt oder die ARD oder den lieben Gott oder ihre Schwiegermutter, das könne man doch nicht durchgehen lassen. Harald Schmidt verkaufe sich unter Wert, er sei Pocher weit überlegen, man dürfe Pocher nicht in den Öffentlich-Rechtlichen sozialisieren, man solle sich an die Moderation der Außenwette beim ZDF erinnern, die eine Gerichtsverhandlung gegen Pocher nach sich zog. Andererseits hätten all jene, die sich jetzt über den Strategiewechsel aufregen, vielleicht öfter mal Schmidts Show schauen sollen, dann wäre Pocher nicht nötig, um neues Publikum zu angeln.
Ich für meinen Teil habe Schmidt nur selten gesehen, daher interessiert es mich nur peripher. Meine Neugier gilt eher der Frage, ob sich Schmidt und Pocher länger halten als Anke Engelke damals mit ihrem Ladytalk.
Irgendwas wird sich ändern müssen, meint Peter Urban, wenn er sich das Ergebnis des Eurovision Soncontests anschaut. Der Meinung bin ich aber auch mal. Es kann ja nicht sein, daß einem am Ende eines bunten und abwechslungsreichen Abends, der einem mal wieder gezeigt hat, daß sich Europa auch nicht beim Soncontest in Normen und Schemata pressen läßt, nur die Sofakante zum Reinbeißen bleibt, weil man wieder nicht zwölf Punkte aus den Niederlanden bekommen hat. Und auch überhaupt nur auf dem 19. Platz gelandet ist. Daß man nicht gewonnen hat.
Schlimmer noch: daß man schon wieder verloren hat.
Die Volksseele kocht, alles muß sich ändern. Wer zahlt, soll auch gewinnen. Wenn man erst verliert und dann zahlt, das ist in Ordnung, das kennt man vom Krieg, aber diese Undankbarkeit, daß man abgestraft wird, obwohl man doch einer der wichtigsten Finanzierer des Zirkus ist, diese Undankbarkeit ist bitter.
Es wäre doch nur recht und billig gewesen, daß sich hunderte Millionen Menschen frei dafür entscheiden, Deutschland den Grand Prix gewinnen zu lassen. "Guess who rules the world", der letzte, auf englisch gesungene Vers des deutschen Beitrags, hätte Entscheidungshilfe genug sein sollen: Natürlich sind wir es, die die Welt regieren. Also sollten wir auch gewinnen.
Und wer gewinnt statt dessen? Eine pummelige Lesbe, die mit Herzblut und Verve singt, eine Stimme hat und - haha, keiner, der das nicht anmerkt - einen Titel von Milosevic singt (nein, nicht vom Kriegsverbrecher). Das Lied heißt Gebet, wäre mein Serbisch besser, ich hätte bestimmt verstanden, daß es ein Gebet für Frieden und Verständnis, für gegenseitige Liebe und Anerkennung ist, eine Bitte um Ruhe in den Unruhen, die das ehemalige Yugoslawien immer noch durchziehen. Eine Bitte um Heilung der alten Wunden.
Und zweiter? Eine Glamournummer, eine Diskokugel mit Stern, die zeigt: auch das ist Osteuropa, grell und lustig, aufsteigend und offen für die Welt, wenn die Welt es will. Über den Text läßt sich hier streiten, eine Botschaft ist nicht drin außer vielleicht: Wir wollen nicht verlieren, was wir jetzt leben dürfen. Wir wollen tanzen und müssen es auch, denn wenn der vergiftete Präsident wieder abgewählt sein wird, deckt sich wieder das russische Mäntelchen über die Ukraine. Schaut Europa fort, dann wird dieses Licht, das Hoffnung für Osteuropa ist, wieder erlöschen. Vielleicht ist es grell. Vielleicht wird es so aber wenigstens gesehen.
Sorge bereitet mir der russische dritte Platz. Nicht, weil ich befürchten würde, Rußland würde nach Erdöl und Erdgas nun auch die Eurovision an sich reißen, sondern aufgrund der kalten Berechnung und substanzlosen Fabrikation, mit der dieser Titel gebastelt wurde. Ich fürchte das Diktat, das hinter dem Titel steckt: Denn es fordert Unterwerfung. Daß dieser Titel, der kein Herz zeigt, sondern nur die Zeile "My bad ass spinning for you", so viele Punkte bekommen hat, ist ein bißchen besorgniserregend, daß er nicht gewonnen hat, beruhigend.
Daß weder Irland noch Großritannien viele Punkte holen konnten, war nicht weiter überraschend, irischer Autismus und englische Lustlosigkeit konnten niemanden so recht überzeugen. Das schlechte Abschneiden Frankreichs, Schwedens, Litauens und Ungarns ist schade, andererseits kann in einem Geschmackscontest nicht gewinnen, was nicht massentauglich ist.
Und darum geht es ja letztlich: Nicht um den perfekten Popsong, nicht um lokale Bezogenheit, regionales Punktegeschacher. Es geht um Gefallen, um Beliebtheit. Vor allem aber geht es darum, den Europäern ein Stück Europa nahe zu bringen. Bisher hätte ich nichts von Schweden mitbekommen, von Lettland oder Ungarn, wenn nicht durch die - sicherlich verzerrten - Bilder des Grand Prix. Daß diese Bilder auch nächstes Jahr nicht aus Deutschland kommen, ist da nicht so schlimm.
Gerade tropft die DSDS-Scheiße aus dem Radio. Ich habe es zu spät bemerkt. Die ganze Woche schon habe ich das Radio ausgelassen, damit ich nicht davon überrascht werde, nur heute nicht, damit ich mein Zeitgefühl nicht verliere. Und jetzt das!
Na gut. So schlimm ist es gar nicht beim ersten Hören, aber das sind qualitätslose Weine auch nicht. Erst beim zweiten Glas bemerkt man dann, daß man ihn doch nicht trinken wollte, muß aber die Flasche noch leer machen und sich außerdem den komischen Geschmack von der Zunge trinken. Soweit wird es bei Now or Never nicht kommen, es dürfte zwar die Charts für eine Weile verseuchen, andererseits ist da eh so viel unnötiger Kram drin, daß es auch nichts ausmacht.
*wünscht sich "
Endlich ein Grund zur Panik" von den Helden
Bundespräsident
Bob Schneider Horst Köhler hat heute die Gnadengesuche von Christian Klar und Birgit Hogefeld abgelehnt. Sie hätten keine Anzeichen von Reue für die von ihnen verantwortbaren Verbrechen der RAF gezeigt.
Das zu kommentieren habe ich kein Interesse. Meine Meinung ist ja relativ simpel: Wer ein Verbrechen begeht, gehört eingesperrt, bis er sich der Tragweite seines Vergehens gegen die Gesellschaft bewußt ist und bereit, die Konsequenzen zu tragen, was auch - soweit möglich - eine Wiedergutmachung einschließt. Die Aufgabe der Gesellschaft dabei ist aber auch klar: wer der Gesellschaft geschadet hat, muß, wenn er Reue zeigt, auch wieder eingegliedert werden, wenn von einer weiteren Schädigung nicht auszugehen ist. Dazu kann auch auch - wie im Fall von Brigitte Monhaupt - eine vorzeitige Entlassung gehören.
Was mich jedoch umtreibt, ist die Arroganz Einiger, die geglaubt hatten, dem Präsidenten vorscheiben zu können, wie er sich in der Situation zu verhalten habe. Als öffentlich wurde, daß er sich mit Christian Klar treffen wolle, protestierten einige CSU-Politiker und drohten eine Verweigerung seiner Wiederwahl an, sollte Horst Köhler die Begnadigung unterzeichnen.
Wie schon so oft frage ich mich: Was sind das für Politiker, die das Volk repräsentieren wollen, aber gleichzeitig die politischen Systeme durch versuchte Nötigung eines demokratisch gewählten Staatsoberhauptes destabilisieren? Wie kommt es, daß die persönliche Profilierung Vorrang vor den Interessen des Volkes hat?
Man kann die Begnadigungsdebatte sehen wie man will, man kann für eine detaillierte Aufarbeitung der Vorgänge um die RAF sein oder dagegen, man kann auch die vorzeitige Entlassung von Brigitte Monhaupt verurteilen. Nicht aber sollte man sich dazu versteigen, anderen Menschen zu drohen, wenn man im Sinne der Demokratie handeln will.
Er, der sich nicht scheut, über einige Seiten hinweg die Entjungferung einer der drei Bräute des Königs in allen Einzelheiten zu beschreiben, auch den Schmerz von Kubaba, als das Hymen reißt, er, der sich nicht scheut, die Begattung der Schamhatu durch den wilden Löwenmann genüßlich auszumalen, als hätte ihm allein die Beschreibung schon höchste Befriedigung gebracht, er scheut sich, den Geschlechtsverkehr zwischen Gilgamesch und Enkidu auch nur ein einziges Mal deutlicher anzusprechen als sie in ihren verschwitzten und befleckten Laken ineinander verschlungen liegen zu lassen.
Sei es, daß Stephan Grundy mehr Lust an ungleichgeschlechtlichem Verkehr empfindet, sei es, daß er seine Leser nicht für unvoreingenommen genug hält, sei es, daß seine Vorstellungskraft ihn hier verläßt, es irritiert. Ist doch das Gilgamesch-Epos mit die älteste Darstellung einer homosexuellen Beziehung. Wenn man sich dann als Autor schon nicht bremsen kann, Akte zu beschreiben, dann doch bitte jeden Akt gleich.
Zu: Stephan Grundy: Gilgamesch, Herr des Zweistromlandes
Schafott ist ja kein gebräuchliches Wort mehr, ebenso wenig wie sein Synonym, das Blutgerüst, was nicht verwundert, ist der öffentliche Vollzug der Todesstrafe glücklicherweise schon lange nicht mehr Usus in hiesigen Landen. Metaphorisch gesehen allerdings finden sich öfter mal Gelegenheiten, wo man sich fühlen könnte wie auf einem.
Eine solche Gelegenheit - jetzt wird es also mal wieder politisch - hatte vor Kurzem der
Ministerpräsident von Baden-Württemberg Günther Oettinger. Man erinnert sich.
Jung ist er nicht, der Herr Oettinger, ganz im Gegenteil, er ist im Jahr 1953 geboren und hatte also reichlich Zeit, die geschichtliche Aufarbeitung der NS-Zeit ebenso mitbekommen wie die Folgen eines falschen Umgangs damit. Man denke nur an die
ehemalige Bundesministerin für Justiz Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, die ihr Amt räumen mußte, nachdem sie die Außenpolitik von George W. Bush mit der von Adolf Hitler verglichen hatte.
Sicherlich kann man den Fall Filbinger nicht ansatzweise mit dem Fall Hitler vergleichen, das käme mir auch gar nicht in den Sinn. Zu Bewußtsein bringen will ich höchstens die Sensibilität, derer es bedarf, wenn man die Jahre zwischen 1933 und 1945 anspricht.
Günther Oettinger hätte das wissen können, vielleicht auch müssen. Vor allem aber hätte er, der ja eigentlich für die Führung eines ganzen Bundeslandes verantwortlich ist, nicht so dumm sein sollen. Er hätte weder die NS-Zeit seines Vorgängers ansprechen müssen, noch hätte er Filbinger im Nachhinein ungebeten entnazifizieren müssen, als sei er, der erst acht Jahre nach dem Ende des Kriegs Geborene, dabei gewesen, als Hans Filbinger seinen vermeintlichen Widerstand gelebt hat. Er hätte auch nicht so dumm sein müssen, drei Tage auf seiner Meinung zu beharren und sich erst am vierten Tage von sich selbst zu distanzieren. Auf öffentlichen Druck wohlgemerkt.
All das ist mir eigentlich egal. Mir geht der Herr Oettinger ebensowenig nahe wie der Herr Filbinger. Angeblich, das sagt eine Bekannte, könne er ganz gut Klavierspielen. Sympathischer macht ihn das nicht.
Was mich aber aufregt, ist der Umstand, daß er sich einfach so entschuldigt.
Er bittet nicht etwa um Verzeihung, so daß ihm die Schuld genommen werden kann, er ent-schuld-et sich selbst. Er streift die Schuld ab wie einen Mantel, den zu tragen er nicht gewillt ist, zeigt aber keine Reue, keine Einsicht, kein Bewußtsein für einen Fehler. Er, der ins Amt gewählt worden ist, um Verantwortung zu tragen, übernimmt nicht die Verantwortung für seinen eigenen Fehler.
Ich mißbillige diesen lockeren Umgang mit persönlichen Fehlern, vielleicht weil ich auch dazu neige, meine eigenen Fehler lieber vertuschen zu wollen, mit Lügen zu tarnen und unkenntlich zu machen. Daß meine Meinung unwichtig und irrelevant ist, ist mir bewußt. Ebenso, daß das Aufwerfen und Herunterspielen von Geschehnissen, der wahllose Umgang mit Reizthemen und provokanten Thesen und das Manipulieren der öffentlichen Meinung durch Lügen und verzerrte Wahrheiten zum Tagesgeschäft der Politik gehört.
Andererseits aber frage ich mich, wohin uns als Gesellschaft ein solches Gebaren und ein solcher Umgang mit der Wahrheit führt. Oder die Toleranz gegenüber einem solchen Verhalten.