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    <title>neolog (Wolfuntergang) : Rubrik:Morpheon</title>
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    <description>Wolfuntergang</description>
    <dc:publisher>neolog</dc:publisher>
    <dc:creator>neolog</dc:creator>
    <dc:date>2009-12-07T09:16:27Z</dc:date>
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    <title>neolog</title>
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  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/5284349/">
    <title>Die erste Saat | Fragment</title>
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    <description>Im Morgengrauen ging er hinaus, der Nebel lag noch schwer in den Bäumen und zwischen den Halmen der Gräser. Der Tag sollte noch lang werden, sonnig und heiß, auch wenn die Dunkelheit das noch nicht verriet. &lt;br /&gt;
Seine Stiefel wurden nass, als er durch das hohe Gras zu der kleinen Hütte ging, in der er seine Werkzeuge aufbewahrte: die Spitzhacke, die Säge, die Messer und Scheren, die Sense und das Beil. Heute würde er den Boden für die erste Saat vorbereiten und bald würde er ernten können. &lt;br /&gt;
In der Hütte war es noch nachtfinster, das dunkle Grau der Dämmerung blieb mit dem Nebel vor der Tür zurück, dennoch fand er die Falltür sofort, hob sie an und stieg vorsichtig die ersten Stufen der Leiter hinunter, schloß die Luke über sich und setzte dann seinen Weg nach unten fort. &lt;br /&gt;
Als er festen Boden unter den Füßen hatte, fischte er die Streichhölzer aus seiner Tasche, nahm eines aus der Schachtel und strich es mit einer schnellen Bewegung über die rauhe Reibefläche. Das Aufflammen blendete ihn, obwohl es nur kurz war: das Streichholz verlosch sofort wieder.&lt;br /&gt;
Vielleicht hatten seine Schritte auf der Leiter sie bereits geweckt, vielleicht auch erst das kurze Feuer, nur Augenblicke später hörte er wieder ihr Schluchzen in der Dunkelheit. &lt;br /&gt;
Er nahm ein weiteres Streichholz aus der Schachtel, zog es über die Reibefläche und diesmal brannte es lange genug, daß er die Öllampe, die neben der Leiter hing, entzünden konnte, bevor er das Streichholz wieder ausblies.&lt;br /&gt;
Wieder - wie so oft - kam ihm der Gedanke, wie ähnlich Menschen und Flammen waren, sie brannten und leuchteten und waren doch so gefährdet, so leicht zu ersticken. Mit dem Gedanken daran erinnerte er sich auch wieder an sein Tagwerk, seine Pflicht: das Feld vorzubereiten, die erste Saat auszubringen. Er ließ das Streichholz fallen und näherte sich der Frau, die am anderen Ende des Erdlochs lag. &lt;br /&gt;
Sie war an Händen und Füßen gefesselt, geknebelt hatte er sie aber nicht. Niemand konnte sie hier hören. Niemand würde sie hier suchen. Nicht einmal seine Mutter, die seit dem Tod ihres letzten Mannes kaum mehr das Haus verlassen hatte.&lt;br /&gt;
Steinchen knirschten unter seinen Schuhen. Sie wandte den Kopf zu ihm um, sah ihn durch die Strähnen ihres wirren Haars an. Sie war die erste, die ihn ansah, die erste, die sich das traute. Sie weinte nun nicht mehr, doch ihre Augen waren noch rot wie Feuer. Die Augen würde er ihr als erstes nehmen, sobald er sie nicht mehr brauchte.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-28T15:10:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/5254134/">
    <title>Fragment | Ein Wunder sei es gewesen</title>
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    <description>In einem anderen Land, weit fort von hier, stirbt eine Legende. Die Menschen, die den Inhalt der Legende kannten, sind verschollen in den Wogen der Zeit und niemand ist mehr übrig außer einem Menschen, der damals noch dabei war. Es ist keine große Geschichte, es ist kein Märchen von den frühen Tagen der Erde oder der letzten Tage einer alten Nation. Es ist nur eine Geschichte, die von den Vergangenen erzählt wurde, und die bald niemand mehr kennen wird, denn der letzte Mensch, der dabei war, wird auch bald sterben. Die Geschichte hat sich überlebt, die Legende stirbt.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-13T23:19:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/5228453/">
    <title>In statu quo ante</title>
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    <description>Jeden Morgen schälst Du Dich mehr aus Deiner Haut. Die Zeit in der Stratosphäre hat Dich gezeichnet, wie Sonnenbrand fällst Du nun Schicht für Schicht von Dir ab, nichts bleibt zurück als rotes, blankes Fleisch. Alles ist schmerzhaft, was nicht Bewußtlosigkeit ist, Gehen und Stehen, Liegen und Sitzen, alles der selbe verzehrende Schmerz des Nicht-Nichtsein-Dürfens. &lt;br /&gt;
Am Fenster stehst Du und schaust auf die Straße, wie Du das offensichtlich die letzten Jahre schon gemacht hast, Du kennst das Bild und Du kennst die Menschen, die unten vorbeilaufen, Du kennst die Bäume, die die Straße säumen, und die Blätter, die von den Ästen den Menschen vor die Füße fallen. Du kennst die Hunde und Katzen, die Fahrräder, die Einkaufswägen, das Alles und Nichts scheinbarer Geschäftigkeit. Die Menschen draußen sind hohl, sind nur Hülle, wie Du nur Hülle warst, als Du noch in der Stratosphäre schliefst. Nun aber bist Du frei von kleingeistigem Leben, frei von scheinbaren Zufällen, frei von allem, zurückgeworfen auf Dich selbst. &lt;br /&gt;
Und Du merkst erst jetzt, wie einsam es in Dir ist. Wie still und wie gleichzeitig laut, denn alle Deine Stimmen schreien durcheinander, brüllen vor Schmerz und Langeweile, rufen nach Hilfe und dem Fernsehprogramm, sehnen sich nach Abwechslung und suhlen sich in der ewig gleichen Routine des Nichtstuns. Du merkst, wie unruhig es in Dir ist und wie sehr windstilles Meer. &lt;br /&gt;
Du fällst nicht mehr, Dein Sturz hat geendet, die Erde kommt nicht mehr näher, doch Du weißt nicht, ob der Aufprall schon kam, der Dich letztlich das Leben kosten wird. Du bist blind geworden in der Zeit außerhalb des Lebens, blind und taub und stumm. Reglos wie ein gestürzter Stein.&lt;br /&gt;
Flechten überziehen Deinen Körper wie einstmals Haut, kleine Käfer klettern über Deine Beine, Ameisen bevölkern Deine Arme, Deine Brust ein Wespennest, kleine Vögel nisten in Deinen Augenhöhlen, ein Specht in Deinem Schädel. Ein Ort ist aus Dir geworden, ein Ort des Widerspruchs und der Fülle, die sich selbst erschöpft, eine Oase und eine Wüste, Tiefsee und Urwald, Weltall und Getreidefeld. Das Leben sprießt und endet in Dir, alle Wurzeln wuchernd, alle Äste nach den Sternen greifend. Der Wind singt in Deinen Blättern, Eichhörnchen spielen Verstecken in Deinen Armen, Holz füllt Deine Lungen, Dein Herz eine Frucht von leuchtendem Rot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Tagen sommerlichen Herbstes werde ich ernten gehen, Dein Herz aufschneiden, das Fruchtfleisch essen, den Kern aber eingraben und auf die neue Blüte warten.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-01T11:16:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/5157744/">
    <title>Traumfragment</title>
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    <description>Als er Mensch wurde und ich in seine Augen sah, erkannte ich ihn. Er war jahrelang bei mir gewesen und doch fern. Als er nun Mensch wurde, hatte er aber Angst vor mir und lief davon. Ich blieb zurück, mit leeren Händen und gebrochenem Herzen.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-30T07:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/5146763/">
    <title>Die wachsende Entfernung zwischen uns</title>
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    <description>Sie hielt die Augen auf den Boden gerichtet. Auch als sie ganz nah an ihm vorbeiging, so nah, daß er sie erkennen mußte, starrte sie auf den Boden, auf ihre Füße, auf den rechten, auf den linken, auf den rechten, auf den linken Fuß, jeder Schritt eine himmelhohe Hürde, jede Sekunde der Moment, in dem er sie ansprechen würde. Als er plötzlich lachte, dachte sie, ihr Herz bliebe stehen, und sie müßte hier vor ihm auf den Boden sinken, doch ihre Füße gingen weiter, nur ihr Herz war stehengeblieben.&lt;br /&gt;
Und dann war sie vorbei, ihr Herz schlug wieder und schneller, je weiter sie sich von ihm entfernte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte sie schon von Weitem gesehen, sie zu übersehen, wäre kaum möglich gewesen. Sie trug ihre knallroten Locken offen, der Wind spielte damit wie ein gelangweiltes Kind, ab und zu strich sie sich eine Strähne aus dem Gesicht. Als sie näherkam und auch als sie an ihm vorbeiging, gab sie vor, ihn nicht zu sehen. Er tat ihr den Gefallen und ignorierte sie. Er sprach weiter mit seinen Freunden über das Spiel am Wochenende, lachte zu laut über einen Scherz von Michael. Er sah sie davongehen, ihre Schritte wurden schneller, je weiter sie sich von ihm entfernte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß sie eine gemeinsame Vergangenheit hatten, sah man sofort. Ich saß im Café, der junge Mann stand mit seinen Freunden ein paar Schritte davor. Seine Haltung verriet plötzliche Aufmerksamkeit, dann verschränkte er die Arme vor der Brust und drehte den Kopf leicht zur Seite. Dann sah ich sie. Sie hatte wildes, rotes Haar und als sie einmal kurz aufblickte, sah sie mich und ich sah sie. Wir starrten uns kurz an, dann sah sie unangenehm berührt zur Seite und sah den jungen Mann. Ihr nächster Schritt kam zögernd, dann sah sie mich noch einmal an, ihr Mund wie im Schock leicht geöffnet, dann sah sie auf den Boden unter ihren Füßen und ging weiter.Als sie zwischen mir und dem jungen Mann vorbeiging, sah ich, daß sie sich in die Unterlippe biß. &lt;br /&gt;
Plötzlich lachte der junge Mann laut auf, doch seine Augen blieben ernst. Die Frau zuckte zusammen, ging aber weiter, den Blick weiter auf den Boden gerichtet. Der junge Mann sah ihr nach, aus den Augenwinkeln zuerst, doch dann drehte er sich sogar nach ihr um. Bevor er sich wieder zu seinen Freunden umwandte, sah er mich ihn ansehen. Ich lächelte ihn an, aufmunternd, wie ich hoffte, doch er sah umso trauriger aus, je weiter sie sich von ihm entfernte.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-25T15:06:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/5110070/">
    <title>Am Fluß</title>
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    <description>Sie saßen am Fluß.&lt;br /&gt;
Der Wind, der nur noch eine Erinnerung an den Sturm der Nacht war, brachte leise Geräusche von Menschen und Stadt über die Wellen und Steine. &lt;br /&gt;
Wie weit ist der Weg, fragte sie. Wie weit ist der Fluß geflossen, bis er endlich hier ist? Wie weit, bis er ins Meer fließt?&lt;br /&gt;
Ich weiß es nicht, sagte er. Ich weiß es nicht.&lt;br /&gt;
Sie saßen am Fluß. Sie saßen auf den großen Steinen am Ufer und schwiegen. Sie hatten nicht mehr viel, worüber sie hätten sprechen können. Und doch wollten sie sprechen. Es war das einzige, was ihnen geblieben war.&lt;br /&gt;
Das Wetter ist gut, sagte er. Viel besser als gedacht. Er sah sie an. Er sah zurück auf den Fluß. Nach dem Sturm heute Nacht.&lt;br /&gt;
Ja, sagte sie. Sie hatte seinen Blick bemerkt. Sie hatte ihn nicht erwidert. Sie hatte weiter auf das Blatt gesehen, das sie zwischen zwei Fingern drehte. Ja, nach dem Sturm hätte man nicht das nicht gedacht.&lt;br /&gt;
Sie saßen am Fluß und sahen den Wellen zu, den Ästen, die an ihnen vorüberzogen. Blätter wie kleine Schiffe auf hoher See wirbelten zwischen den Steinen hindurch.&lt;br /&gt;
Glaubst Du, sagten sie gleichzeitig und unterbrachen sich beide. Sie sahen sich an, ein kurzes Lächeln auf ihren Gesichtern, das doch rasch wieder verschwand. Keiner sprach weiter. Sie sahen zurück auf den Fluß.&lt;br /&gt;
Die Sonne schickte Lichtsalven durch die Kronen der Bäume, wenn der Wind sich in ihnen verfing. Kleine Wassertropfen sprühten dann wie flüssiges Silber über den Steinen. Hätte man sie fangen können, reich wäre man geworden.&lt;br /&gt;
Laß uns gehen, sagte er. Ja, sagte sie. Laß uns gehen.&lt;br /&gt;
Sie gingen fort, ließen den Fluß hinter sich.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-07T15:21:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/4853674/">
    <title>Sommerkind | Bruchstück</title>
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    <description>Sie hatte diesen Anhänger, klein und silbern und mit blauen Steinen besetzt, und immer hatte sie behauptet, darin läge ihr Glück und ihr Leben und der Grund für ihre Liebe zu den Sternen. Als ich sie kennenlernte, war sie noch ein kleines Mädchen, sie sah aus, als wäre sie erst acht oder höchstens neun Jahre alt, doch wenn sie sprach, dann sagte sie Worte, die nicht klangen wie die eines Kindes, und wenn sie sang, dann klang ihre Stimme so fremd wie die Worte des Liedes, das ich nicht verstand.&lt;br /&gt;
Als ich sie das letzte Mal sah, war ich nicht mehr der junge Soldat, der Kriege führen und gewinnen wollte, sondern ein alter Mann, der seine letzte Schlacht gegen den eigenen Körper schlug und dessen Wunden, die das Leben selbst ihm beigebracht hatte, nie wieder heilen würden. Sie dagegen sah immer noch aus wie das kleine Mädchen von acht oder höchstens neun Jahren. &lt;br /&gt;
Sie besuchte mich am Tag vor dem Feuer, sie kam mit bloßen Füßen und einem hellblauen Kleid. Sie kam über die Wiese vor meinem Haus gelaufen, singend und gleichzeitig lachend. Ihr hellbraunes Haar wehte hinter ihr im Sommerwind.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-10T14:16:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/4761475/">
    <title>Kronos</title>
    <link>http://neolog.twoday.net/stories/4761475/</link>
    <description>Ein leichtes für einen Gott, die Zeit zu verdrehen, umzustülpen und alles von Vorne beginnen zu lassen, ist es für den Sterblichen eine Sisyphus-Arbeit, sich all dessen zu erinnern, was die Vergangenheit ausmachte, ist sie doch mehr als nur eine emotionalisierte Matrix aus Erfahrungen, die als Matritze für zukünftige Entscheidungen fungiert, sondern all unser Fühlen und Denken und Verwobensein mit der Welt. &lt;br /&gt;
Angesichts der noch ausstehenden Zeitreise ist es wahrlich verfrüht zu sagen, ein Stück wäre geschafft, denn immer noch gilt, daß, wer geglaubt hat, einem Ende nahe zu sein, noch nicht den ersten Schritt getan hat.&lt;br /&gt;
Und doch ist es notwendig nachzusehen, was geschehen ist, um sich selbst nachzusehen, daß nicht ungeschehen zu machen ist, was vielleicht nicht hätte geschehen müssen. &lt;br /&gt;
Ein leichtes sei es für einen Gott, und doch sind die Götter verschollen im Strudel der Zeit und nur der Mensch überblieb auf Erden.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-05T15:38:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/4673637/">
    <title>Schattenland</title>
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    <description>Von einem Schattenland träumte ich, dort fielen die Schatten der Menschen nicht nach außen, auf den Grund, den ihre Füße berührten, sondern gegengerichtet: in die Körper, in die Köpfe und Hände, in die Gedanken und Taten der Menschen fielen die Schatten.&lt;br /&gt;
In der Dämmerung der immer gleichartigen Tage und Nächte jagten wir einander durch die Straßen zerbrochener Städte, kannten keine Freunde, nur Feinde, deren Angriff durch vorherigen Angriff pariert werden mußte.&lt;br /&gt;
Doch dann taten sich Tore auf und fanden wir Einlaß in bisher verschlossene Welten und wurden zu einer Gruppe, die sich selbst helfen und dadurch retten wollte. Wir schlossen die Tore vor dem Angriff der Neidischen, der Lauernden, vor dem Zögern der Wartenden, Unschlüssigen, und wir hörten das Zerreißen von Fleisch, als die Einen vor dem Tor über die Anderen hinwegwogten.&lt;br /&gt;
Wir fühlten uns sicher in unseren Verstecken, doch immer wieder mußten wir hinaus in die Dämmerung, immer wieder flohen wir die scheinbare Sicherheit, die uns Türen und Tore boten. Immer öfter kehrten die, die sich hinauswagten, nicht mehr zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin im Keller unseres Hauses, durch die Ritzen in der Decke sehe ich Fragmente der Menschen, die zu lieben ich mir im von uns geschaffenen Licht außerhalb der Dämmerung angewöhnt habe. Ihre nach innen fallenden Schatten sind den meinen ähnlich geworden, wir haben einander erkannt und vergeben, wir gehören zu- und einander. &lt;br /&gt;
Im Keller sitze ich unweit der Treppe und unweit der Türen, die in andere verschlossene Räume führen, die zu öffnen wir bisher nicht gewagt haben. Wir wissen nicht, ob dahinter Licht oder Dunkelheit liegen oder nur weitere Dämmerung. Wir wissen es nicht und wollen es nicht wissen.&lt;br /&gt;
In meiner Hand liegt ein Schlüssel, der im Schloß an der Außenseite der Tür zur Kellertreppe steckte, ich habe ihn herausgezogen, bevor ich die Tür hinter mir zuzog. Der Schlüssel liegt schwer in meiner Hand, als wäre er nicht aus Staub und Stein wie alles andere, sondern aus der Angst, die sich in meinem Herzen versteckt, und der Wut, die in den Augen der Lauernden vor den Fenstern der Häuser brennt, und der Begierde nach einer Erlösung, die uns alle, Innere wie Äußere, eint.&lt;br /&gt;
Von oben höre ich die Stimmen der Meinen, und ihre Worte sind zu leise, um sie zu verstehen, allein am Tonfall erkenne ich das Gesagte, wieder ist einer verschwunden, einer verloren, er hat eine Tür geöffnet und die Dämmerung begrüßt, bevor er aufgehalten werden konnte. Er ist fort und die anderen sorgen sich, nur einer steht auf und heißt ihn in zornigem Ton Verräter und Verdorben und einer steht auf und heißt ihn Tor und Verirrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sitze am Fuß der Kellertreppe, der Raum ist dunkel, das Licht, das durch die Ritzen der Decke fällt, wird schwächer, an mich schmiegt sich mehr und mehr Dunkelheit, in meiner Hand wiegt schwer der Schlüssel zur Tür am oberen Treppenende. Sie hatte weder Schloß noch Knauf auf meiner Seite, meine Fäuste schlugen Spreißel aus dem Holz, doch wankte und bebte es nicht, als sei es Stein und Fels geworden in dem Moment, als ich die Meinen aus mir ausschloß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In meinen Augen und meinem Mund und meiner Nase sammelt sich Staub, und ich lege mich auf den Boden, der nicht kalt und nicht hart ist, sondern warm und weich, und ich versuche zu weinen, um den Staub von mir zu waschen. Ich schlafe ein und träume von einem Schattenland, in dem die Schatten der Menschen nach außen fallen und nicht nach innen, in das Denken und Tun und das Wollen der Menschen.</description>
    <dc:creator>Herr Wolf</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Herr Wolf</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-04T10:07:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/4753399/">
    <title>Die schwarzen Schuhe | Rebound</title>
    <link>http://neolog.twoday.net/stories/4753399/</link>
    <description>[&lt;a href=&quot;http://neolog.twoday.net/stories/3401661/&quot;&gt;Erster Teil&lt;/a&gt;] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich dauerte es deutlich länger als nur einige Stunden. Es wäre mir unmöglich gewesen, einfach so zurückzugehen. In welches Leben hätte ich auch zurückgehen sollen, wo doch alles, was ich zu kennen glaubte, eine Lüge zu sein schien. &lt;br /&gt;
Letztlich dauerte es bis zu meiner Rückkehr neun Monate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Aufzug angehalten hatte, begann der Mann mit der sonoren Stimme zu sprechen: &quot;Sie sind also wirklich gekommen.&quot; Noch hatte er sich nicht zu mir herumgedreht, ich betrachtete also seine Schulter und sein Ohr, seine kurzgeschnittenen grauen Haare. Da er nicht weitersprach, sagte ich: &quot;Ich wollte die Antworten auf meine Fragen haben. Sie hätten diese Antworten, wollten sie mir aber nicht am Telefon geben. Darum bin ich hier.&quot; Beinahe wäre meine Stimme vor Anspannung gekippt, ich mußte eine Pause machen. &quot;Wenn ich die Antworten habe, gehe ich wieder nach Hause.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Es ist Ihre Entscheidung, wie Sie nach dem heutigen Tag verfahren. Wir werden Ihnen die Antworten liefern, was Sie damit machen, bleibt Ihnen überlassen.&quot; Er hob den Arm, um auf seine Uhr zu sehen. &lt;br /&gt;
&quot;In einer Minute wird sich diese Tür öffnen und ich werde aussteigen. Wenn Sie sich dafür entschließen, mir zu folgen, werden Sie Ihre Antworten erhalten. Wenn nicht, wird der Aufzug Sie wieder nach oben zu Ihrem Wagen bringen, und Sie werden nichts mehr von uns hören.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Woher soll ich wissen, daß Sie die Wahrheit sagen und das nicht nur ein Trick ist, um mich in eine Falle zu locken?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Das können Sie nicht. Ich versichere Ihnen, es ist keine Falle. Wir können Ihnen die Beweise dafür allerdings erst geben, wenn wir Sie in Sicherheit gebracht haben. Uns vorher zu offenbaren, hieße ein unnötiges Risiko eingehen.&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Gehe ich damit, daß ich Ihnen glaube, etwa kein Risiko ein? Ich habe ja noch nicht mal richtig Ihr Gesicht gesehen und soll Ihnen vertrauen? Sie müssen zugeben, daß das nicht besonders einfach ist.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe niemals behauptet, daß es das wäre.&quot; Er sah noch einmal auf die Uhr. &quot;Also, die Minute ist fast vorbei. Wie haben Sie sich entschieden? Werden Sie mir folgen?&quot;&lt;br /&gt;
In diesem Moment öffnete sich die Aufzugtür. Dahinter lag nicht etwa, wie ich erwartet hätte, ein weiteres Deck des Parkhauses, sondern ein Gang, dessen Wände so unregelmäßig aussahen, als wären sie aus dem Beton des Gebäudes gemeißelt worden. In unregelmäßigen Abständen hingen schwache Lampen von der Decke, die die Düsternis mehr betonten, als sie zu vertreiben.&lt;br /&gt;
Der Mann mit der sonoren Stimme trat aus dem Aufzug in den Gang. &quot;Ich weiß, Sie vertrauen mir nicht. ich weiß auch, daß unsere Sicherheitsvorkehrungen nicht dazu beitragen, notwendig sind sie dennoch.&quot; Seine Stimme hallte durch den Gang.&lt;br /&gt;
Ich war unschlüssig. All das klang viel zu sehr nach schlechtem Spionagefilm. Und doch - oder gerade deswegen - war ich versucht, dem Mann zu folgen.&lt;br /&gt;
Dann drehte er sich zu mir um. Ich hatte einen kurzen Blick auf sein Geicht erhaschen können, als er den Aufzug betreten hatte, doch außer seinen grauen Augen war mir nichts aufgefallen. Doch jetzt sah ich die Falten um die Augen, sah die Narben am Kinn, die mehrfach gebrochene Nase. Darunter allerdings erkannte ich ein Gesicht, das ich kannte wie kein anderes: mein eigenes.&lt;br /&gt;
Ich stand mir selbst gegenüber, einem 20 oder 30 Jahre älteren Selbst. &quot;Wer sind Sie?&quot;, fragte ich, doch er drehte sich nur um und ging den Gang hinunter. Ich hatte keine Wahl mehr. Ich beeilte mich, ihm zu folgen.&lt;br /&gt;
Hinter mir schlossen sich die Türen des Aufzugs.</description>
    <dc:creator>&lt;a href=&quot;http://neolog.twoday.net&quot;&gt;neolog&lt;/a&gt; (importiert durch Herr Wolf)</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 &lt;a href=&quot;http://neolog.twoday.net&quot;&gt;neolog&lt;/a&gt; (importiert durch Herr Wolf)</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-05T15:00:00Z</dc:date>
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    <title>Unter Fliegen</title>
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    <description>Erst mit der Erkenntnis vom Tod erfuhren sie vom Leben, und fortan kämpften sie darum, es zu erhalten, zu behalten, zu verlängern, zu verschönern. Erst mit der Erkenntnis vom Sterben erfanden sie sich Angst, Schmerz und Haß. Hilflosigkeit.</description>
    <dc:creator>&lt;a href=&quot;http://neolog.twoday.net&quot;&gt;neolog&lt;/a&gt; (importiert durch Herr Wolf)</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
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    <dc:date>2007-07-25T11:54:00Z</dc:date>
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    <title>Wie unwichtig alles andere sein kann</title>
    <link>http://neolog.twoday.net/stories/4753670/</link>
    <description>Während Du auf der Treppe sitzt und der Frau zuhörst &lt;br /&gt;
Während Du auf der Treppe sitzt, den verbogenen Korkenzieher in der Hand&lt;br /&gt;
Während das Licht im Fenster schwächer wird, die Sonne untergeht und Du einfach nur auf der Treppe sitzt und zuhörst &lt;br /&gt;
Während Du ihr zuhörst und sie Dir sagt, wer sie ist &lt;br /&gt;
Während sie mit Dir teilt, daß Sie suizidgefährdet ist, und Du den verbogenen Korkenzieher in der Hand hast &lt;br /&gt;
Während Du mit der Frau auf der Treppe sitzt, wartest, Dir ihre Worte anhörst, die wie verlorene Blätter durch das Treppenhaus wehen &lt;br /&gt;
Während unten vor der Haustür ein Kind auf einem Fahrrad vorbeifährt - Du hörst das Lachen und das laut klappernde Schutzblech -&lt;br /&gt;
Während Du mit der Frau auf der Treppe sitzt und sie Dir erzählt, sie sei Alkoholikerin und habe Borderline &lt;br /&gt;
Während Du auf der Treppe sitzt und von einer Freundin erzählst, die mit einer stationären Therapie gelernt habe, mit Borderline zu leben, ohne sich den Tod zu wünschen &lt;br /&gt;
Während Du auf der Treppe sitzt und nicht weißt, was Du tun kannst&lt;br /&gt;
Während Du sie sagen hörst, sie sei als Kind mißbraucht worden, und Dich sagen hörst, daß das häufig sei bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, Dich sagen hörst, daß man sich retten wolle, nur einen Teil von sich, und sie nickt dazu, als habe ihr jemand einen Schluck aus dem Heiligen Gral angeboten&lt;br /&gt;
Während die Frau Dich ansieht und Dich bittet, sie wieder hineinzulassen und Dich fragst: In ihre Wohnung? In ihren Geist? In Ihr Leben?&lt;br /&gt;
Während Ihr auf der Treppe sitzt und darauf wartet, daß alles wieder gut wird, fällt Dir auf, wie unwichtig alles andere sein kann.</description>
    <dc:creator>&lt;a href=&quot;http://neolog.twoday.net&quot;&gt;neolog&lt;/a&gt; (importiert durch Herr Wolf)</dc:creator>
    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
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    <dc:date>2007-06-19T18:23:00Z</dc:date>
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    <title>Das Kind</title>
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    <description>Das Kind hatte eine schöne Kindheit, auch wenn die Erinnerungen nicht sicher tragen. Es mußte nie etwas fürchten bis zur Schule, es war nie furchtsam außer vor hohen Höhen oder tiefen Tiefen. Es liebte Tunnels, den Wind in den Haaren, wenn man den Kopf aus dem offenen Autofenster steckte und lachte beim Tollen über den regennassen Rasen. Das Kind aß Beeren aus dem Wald, schwamm in Baggerseen und stellte sich die Bagger vor, die tief unten im Dunkel stehen mußten, neidisch auf die leichten Schwimmer oben im Sonnenschein. Als Tschernobyl kam und ging, durfte es nicht im Sand spielen, so spielte es eben anderswo, es gab immer Abenteuer, die zu bestehen waren. &lt;br /&gt;
Beim Schaukeln wollte es immer höher hinaus, alle Kinder wollten das. Und am höchsten Punkt, wenn der Magen aus dem Körper zu fallen schien, während der Körper selbst wieder der Erde entgegenschwang, dann mußte man abspringen, sich selbst winkend und rufend in den Himmel werfen, sich so weit schleudern, daß man fast den niedrigsten der unzähligen Äste der uralten Eiche berühren konnte.&lt;br /&gt;
In der Schule dann war alles gleich und doch anders. Das Kind verstand die anderen Kinder nicht, verstand nicht, warum sie nicht leichtfüßig von Wort zu Wort sprangen, sich mühsam an einzelnen Zahlen festhielten, bevor sie die nächste in Angriff nahmen. Das Kind verlor den Anschluß an die anderen Kinder und spürte zum ersten Mal die Abneigung anderer. Und das erste Mal Angst.&lt;br /&gt;
Die Angst fesselte, sie riet ab von der Schaukel, sie beschwor schlimmeres als ertrunkene Maschinen im Baggersee, sie erklärte das Dunkel hinter dem Ausbruch von Tschernobyl. Die Angst nagte, sie fraß sich in das Kind und das Kind fraß mit, gab der Angst, was der Angst sei, aß für zwei und kapselte sich so von außen ab. Wurde autark und immobil. Mitunter war es ein Abenteuer für sich, die Augen aufzumachen, richtig aufzumachen, nicht nur stumm zwischen den Augenlidern durchzuspähen. Das Kind hatte Angst, so lange, bis es nur noch Angst vor der Angst hatte, bis die Bedrohung durch Andere als unzutreffend erkannt worden war.&lt;br /&gt;
Das Kind wurde passiv, ließ sich treiben, erlebte keine eigenen Abenteuer mehr, sondern konsumierte die Leben anderer Menschen, bewunderte sie, beneidete sie, verachtete sie. Das Kind verlief sich in sich selbst.&lt;br /&gt;
Das Kind hat immer noch Angst, auch wenn es nicht weiß, wovor. Die Erinnerung an Gefahr ist im Sande verloren gegangen. Nur noch die Angst ist übrig, nicht als Furcht vor dem Alleinsein, nicht als Furcht vor zu vielen, zu lauten, zu grausamen Menschen, nicht als Furcht vor Höhen, Tiefen oder engen Räumen. Es ist nichts als die Angst mehr übrig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und gerade eben hat das Kind erkannt, daß es seine Angst nicht loslassen kann, denn damit verlöre es auch den Schutz, den ihm die Angst bietet. Hätte es keine Angst, müßte es sich mit der wirklichen Welt auseinandersetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind steht vor der Schaukel, setzt sich, nimmt Anlauf und schwingt sich immer höher. Das Kind sitzt auf der Schaukel, beugt sich vorwärts nach vorne ins Nichts, legt sich rückwärts nach hinten in die sausende Luft, schwingt immer höher, die Haare fliegen, der Wind ist so laut, immer höher, immer schneller, noch weiter, noch weiter: Da! ist der Moment, jetzt! ist es da, das Gefühl, gleich! müßte es springen, es ist schon so hoch, nur loslassen, abstoßen, springen und fliegen, nur eine Sekunde. Das Kind, das die schöne Kindheit hatte, das die Angst hatte und Haustiere und ein Mißverständnis von Baggerseen, das Beeren im Wald aß und barfuß und lachend über die Wiese rannte, das Kind müßte nur noch ein einziges Mal nach oben und noch ein Stück höher hinaus.&lt;br /&gt;
Das Kind ...</description>
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    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
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    <dc:date>2007-06-11T11:48:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/4753804/">
    <title>Blockbuster</title>
    <link>http://neolog.twoday.net/stories/4753804/</link>
    <description>Ich stand auf der Bühne, wir waren zu viert. Alle in schwarzen Kostümen, drei Tänzer und ich, wie ich damals war: schwerfällig, dick, langhaarig. Eine Aufzeichnung mußte das sein von einem Theaterstück aus der Schule. Darum war auch das Bild grau in grau, schwarz-weiß, alle Darsteller bleich wie der Nebel, der langsam die Erinnerung verwischt und jetzt zwischen den Häusern und über dem Johannisberg liegt. Als sei mein Traum in die Wirklichkeit entschlüpft. Wir tanzten ein seltsames Stück, ohne Ton, nur das graue Bild, ich fiel auf die Knie, wurde aufgehoben, weitergeschoben, wechselte die Bühnenseite. &lt;br /&gt;
Mein anderes Ich, das bunte, das echte, das beobachtende, das schlafende Ich ging weiter, vergaß die Bühne, fand sich in dem Dorf meiner Schulzeit wieder in einer Menschenmenge, die teils aus den grauen Erinnerungsmenschen und teils aus echten, bunten Menschen bestand, die Beobachter der Erinnerung waren wie das träumende Ich. Neben mir stand eine junge Frau, mir unbekannt und doch vertraut, kurze Haare und ein Grinsen im Gesicht, das andeuten mochte, sie wisse besser als ich, warum wir alle hier seien. Ich bewarf sie mit langen Dingen, Stiften oder Zigaretten, die zerknautscht an ihr hängenblieben, bis sie sie abstreifte. Gemeinsam gingen wir fort, ihr Stoff für ein neues Kleid suchen.&lt;br /&gt;
Der Laden, den wir betraten, verschwand in dem Moment, als wir die Tür schlossen. Statt dessen standen wir in einem spärlich beleuchteten Gang, der sich gerade vor und hinter uns erstreckte, ohne ein Ende anzudeuten. Ich ging weiter, die junge Frau sah mir nach und war irgendwann fort. &lt;br /&gt;
Das Ende des Ganges war ein Flur, auf dessen linker Seite Türen waren, rechts öffneten sich Fenster dem blauen Himmel mit Aussicht über meine Geburtsstadt, tief unten konnte ich das Haus meiner Großeltern sehen, in dem sie schon so lange nicht mehr wohnten. Ich wandte mich vom Fenster ab, ging in einen der Räume und hindurch auf die angrenzende Terasse, wo bereits meine Mutter saß und ihren Autoschlüssel suchte. Sie sagte, es sei immer das gleiche mit dem Verlies, immer verliere sie ihren Schlüssel da, sie müsse sich schon wieder einen neuen machen lassen. Ich hörte Stimmen, die sich aus Richtung der Straße näherten, bevor ich aber sehen konnte, zu wem die Stimmen gehörten, blendete sich in meinen Traum Werbung ein: groß im Vordergrund ein eiförmiges, gelbes Auto, aus dem Off eine sonore Stimme, die sagte: &quot;Der neue Opel Pofalla. CO2-neutral durch Heißluftantrieb.&quot;&lt;br /&gt;
Irritiert wachte ich auf.</description>
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    <dc:date>2007-05-18T08:24:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://neolog.twoday.net/stories/4753183/">
    <title>Das Ende der Belagerung</title>
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    <description>Als die ersten Wolken den Himmel verdunkelten, ahnten sie, daß dies der letzte Tag sein würde. Und doch zog sich der Untergang bis in die Nacht und die nächste Dämmerung hin. Die Mauern waren zu hoch, die Geschütze der Feinde zu schwach, die Verteidiger angesichts der gegnerischen Überlegenheit an Zahl und Bewaffnung zu wenig bereit, ihr Leben nur für einen geringen Preis zu geben. Erst im Morgengrauen konnten die Mineure die Westmauer zum Einsturz bringen, erst im Morgengrauen, als die Sonne blutige Speere über den dunkelgrauen Himmel warf, strömten die Angreifer wie Ameisen über die gefallenen Steine und Verteidiger, füllten den Anger zwischen den Umfriedungen.&lt;br /&gt;
Korien stand neben seinem Herrn Resan, dem Ersten Mann von Tharesh, auf der Spitze des Bergfrieds und betrachtete die immer noch heranströmenden reshannatischen Soldaten. Das Heer, das sich wie ein Meer um die Burg gelegt und wie dessen Brandung an den Mauern gebrochen war, war nun auch schon hinter die innere Umfriedung gelangt und würden bald auch den Bergfried erreichen und sie hier oben.&lt;br /&gt;
Und doch würden sie nicht bekommen, weshalb sie gekommen waren. Koriens Herr hatte Vorkehrungen getroffen, von denen die Reshanna nichts wußten, nichts wissen konnten. Der Stern von Siremon befand sich längst nicht mehr in Tharesh. Vier Tage, bevor die Vorhut des Heeres am Horizont zu sehen gewesen war, hatten Reiter und Boten mit Imitaten des Sterns die Burg in alle Himmelsrichtungen verlassen, während der echte Stern mit Resans Schwester in der Nacht zuvor nach Thakash aufgebrochen war. Sie reiste in Tracht und Gesellschaft der Kinder von Selis, die nicht angegriffen werden durften, wollte man nicht den Zorn der Götter auf sich ziehen. Der Stern würde sicherlich bald in Thakash angekommen sein, von wo aus er von den Daan-Brüdern nach Herekat gebracht werden würde, in Sicherheit aus der Reichweite der Reshannati.&lt;br /&gt;
Das Heer war mittlerweile zum Stillstand gekommen, die Männer des Ersten Mannes waren getötet oder entwaffnet worden. Korien konnte die Schreie der Sterbenden und die Befehle der Offiziere hören.&lt;br /&gt;
Dann entdeckte er die Reiter, die sich ihren Weg durch die Soldaten bahnten. Sie waren zu zweit, vorne ritt Krosan, der Erste Mann von Reshan, der ihnen vor der Belagerung Gnade angeboten hatte, wenn sie sich ergeben würden, oder einen langsamen Tod, wenn sie sich weigerten. &lt;br /&gt;
Und auf dem anderen Pferd saß, noch in den Gewändern der Kinder von Selis, Resans Schwester, die Krosan die Hand reichte, als sie ihr Pferd neben seinem zum Stehen brachte.</description>
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    <dc:subject>Morpheon</dc:subject>
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